Mittwoch, 5. März 2008

Dies und Das

Es gab jetzt länger keinen neuen Eintrag, aber der Grund dafür wird in den nächsten Berichten klar werden.

Wie in Gesprächen normal, fangen wir damit an, über's Wetter zu reden.
Im Moment ist das in Kobe verrückt, Aprilwetter beschreibt es am besten. Ein Beispiel: Letzte Woche ist an einem Tag in der Früh ein heftiger Wind gegangen, es waren schon Ausmaße eines leichten Sturms. Während des Tages hat er dann aufgehört und es war sehr warm, bis zu 10-12 Grad im Schatten, richtiger Frühling eben, während es in der Nacht abgekühlt und zum Schneien begonnen hat, und zwar so stark, daß sogar mehrere Zentimeter Schnee auf den Bäumen etc. lagen und der Schnee auch in der Früh noch da war.
Macht übrigens ein wunderschönes Bild: Mehrere Zentimeter Schnee auf grünen Laubbäumen und Sträuchern.






In Harborland haben sich die Firmen eine nette Idee zu den olympischen Spielen in Beijing (Peking) einfallen lassen. Sie haben lebensgroße Figuren aufgestellt, die mitten in der Ausführung der traditionellen olympischen Disziplinen sind, allerdings stellen die Figuren berühmte Persönlichkeiten aus der Zeit der drei Reiche in China (ca. 3.Jahrh. a.D.) dar. So nach dem Motto: Wie hätte es ausgesehen, wenn die Chinesen die olympischen Spiele erfunden hätten? (Und wie hätten sie sie genannt ...) Komplettiert wird das Ganze durch Erklärungen über die ursprünglichen Sportarten und die Persönlichkeiten.










Beim Zugfahren habe ich auch eine Werbung für Fanz Lehars Operette "Die lustige Witwe gesehen", daß ich überrascht war ist gelinde ausgedrückt. Leider habe kein Photo davon ...

Lustige Anektode: Die zwei Deutschen und ich waren eines Abends in der Stadt zum Abendessen, und als wir durch die Straßen gingen, wurden wir von einem Koreaner angesprochen, ob wir nicht einen guten Klub in der Nähe wüßten. Man stelle sich vor: Man ist in einer fremden Stadt, will nach einer Wegbeschreibung fragen, und spricht mit Absicht genau die Personen an, die als einzige ganz offentsichtlich nicht aus der Stadt, ja nicht einmal aus dem Land kommen! Und doch ist es verständlich, da es ein Koreaner war und wir auf englisch angesprochen wurden, denn anscheinend konnte keiner von der Gruppe japanisch und so haben sie sich an jene gewandt, die am ehesten englisch sprechen können.


Der folgende Absatz ist wieder einmal nur etwas für Spieler ("Gamer"), die anderen Leser können gleich weiter zur Kolumne gehen.

In Osaka habe ich letztens Nipponbashi, auch Den Den Town (Elektrisch Elektrisch Stadt) genannt besucht. Was Akihabara für Tokyo, ist Den Den für Osaka: Ein Himmel für Otaku, Spieler und alle Technik- und Elektronikverliebten. Hervorheben möchte ich dabei meine Einkehr in zwei Retro-Läden, in denen Computerspiele, Hefte etc. aus alten Zeiten zu Verkauf stehen, die bei uns pratisch unmöglich zu finden sind. Es gab fast alles von Playstation, Dreamcast, Neo Geo, Super Nintendo, Nintendo, Master System und und und, bis hin zu alten Spielen aus der Arcade-Zeit der 80er, und alles, zwar gebraucht, aber im Original und Top-Zustand!


Hier ein Photo von eine der SNES Abteilungen:




Final Fantasy SNES Parade




Seiken Densetsu 3 (Secret of Mana 2, außerhalb Japans nie erschienen)




Und ein kleiner(!) Auschnitt aus der NES (in Japan Famicon - Family Computer) Spiele-Abteilung




Nachteil: Alle Spiele natürlich nur auf Japanisch
Vorteil: Man kann seltene Juwelen finden und alles wirklich spottbillig!
Ernsthaft, Spiele die auf englisch oder deutsch bei E-bay bis zu mehrere hundert Euro erzielen, gibt es hier für ein paar Euro, z.B: Dreamcast Grandia 2: 1,80 € Shenmue: 8 Euro



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Eine weitere Runde Leserfragen:

Was machen Japaner in ihrer (spärlichen) Freizeit?
Schwer zu beantworten, ich werde an dieser Stelle die Sportklubs der Schüler und Studenten und das gemeinsame Weggehen zum Trinken nach der Arbeit der Geschäftsleute NICHT als Freizeit betrachten. Dann machen sie eigentlich das, was auch Europäer machen: In erster Linie sich mit Freunden treffen, einkaufen gehen und Computerspiele spielen. Und je nach Jahreszeit gehen sie zu den traditionellen Festen, z.B: Feuerwerke im Sommer.

Sind die Dinge in Japan wirklich alle viel teurer?
Nein, es ist nur anders aufgeteilt. Luxusartikel und Essen sind sogar um einiges billiger als zu Hause, dafür sind Dinge des täglichen Lebens, vor allem wenn man Familie hat, um einiges teurer. Der Autor persönlich lebt in Japan billiger als zu Hause, da er keine Familie hat und er viele dieser Dinge nicht benötigt, und da der Euro im Moment sehr stark ist.
Das Klisché des übermäßig teuren Japans kommt daher, da man fast nur Tokyo (im Fernsehen etc.) zu Gesicht bekommt, und in Hauptstädten v.a. in den inneren Städten ist das Leben immer teurer. Japan hat auch nur 5% MwSt.

Dazu passend: Wie ist es mit dem Preis von Gewand (Kleidung Anm.) in Japan?
Gewand ist leider im Schnitt teurer, dafür kann man bei modischen Dingen auch einige Schnäppchen ergattern (wenn man seine Größe findet), aber Vorsicht: Wenn man sich vergreift, kann man schnell einen Herzinfarkt beim Blick auf das Preisschild bekommen. Schuhe sind, besondern im Ausverkauf, oft um einiges billiger. Apropos Ausverkauf: Es gibt das ganze Jahr über Sachen im Angebot, sie sind nicht so sehr -schlußverkaufsabhängig.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Das Übliche

Ein weiteres Mal keine großen Neuigkeiten.

Einmal mehr war ich am Samstag bei meiner Gastfamilie zu Gast (oh, cleveres Wortspiel), und am Montag auf einer kleinen Party unter Freunden eingeladen. Mit in Japan üblichem gemeinsamen Kochen, Essen und Trinken und auch anschließendem Besuch einer Karaoke-bar, welche in diesem Land wirklich überall sind.
Für Leute, die noch nicht den Film "Lost in Translation" mit Bill Murray gesehen haben, Karaoke in Japan ist nicht so wie bei uns zu Hause. In Österreich (bzw. Europa) gibt es ja kaum richtige Karaoke-bars und somit fast nur "Karaoke-Nights" in Klubs, wo man vor dem gesamten Publikum singen muß. Bei richtigem Karaoke geht man aber nur mit seinen Freunden in einen abgetrennten Raum mit Anlage, und man hört sich nur untereinander, also muß man sich nicht vor Fremden zum Affen machen (ausgenommen natürlich, wenn es im Anschluß an ein Geschäftstreffen ist).






Natürlich war ja auch letzte Woche der verfluchte Valentinstag. Für alle jene, denen es entgangen sein sollte: ICH HASSE DIESEN TAG! Ein vom Kommerz künstlich erzeugter Feiertag an dem man alles kaufen muß, um nur ja seine Liebe zu beweisen ... Mal ehrlich, wenn ich tatsächlich einen erfundenen, wahllos rausgenommenen Tag im Jahr benötige, um meiner Liebsten zu zeigen, was sie mir bedeutet, na dann Gute Nacht, dann hab ich sie gar nicht verdient.
Warum müssen eigentlich vor allem immer die Männer irgendetwas Extravagantes machen und einen Haufen Geld zum Fenster rauswerfen? Und warum müssen wir Kerle versuchen uns immer zu Überbieten in den Dingen die wir unseren Frauen kaufen, sind wir so auf Wettkampf aus? Und warum müssen Frauen, die auch nichts mit dem Blödsinn zu tun haben wollen, sich von ihren Freundinnen erzählen lassen müssen, was für großartige Sachen diese bekommen haben und dann auch noch gefragt werden ob ihr Freund sie nicht denn nicht wirklich liebt, weil er ihr nichts schenkt?
Und das Beste an der ganzen Sache: Dieser "Feiertag" ist nicht einmal frei! Ein Bekannter hat einen treffenden Artikel darüber verfaßt, mit dem er mir so richtig aus der Seele spricht (leider nur auf englisch).

In Japan hat sich für Valentinstag eigentlich nur ein Brauch eingebürgert: Die Mädchen schenken den Jungs Schokolade. Einige Pärchen machen zwar auch spezielle Sachen, aber das ist eher selten und trifft nur auf frischverliebte zu. Mir gefällt das, es ist nicht sehr aufwendig und als Mann muß man nichts machen. Außerdem ist hier, obwohl Japan an sich auf kitschige Sachen steht, sehr wenig Dekoration und ähnliches zu diesem Tag vorhanden, aber bei dem eingeschränkten Brauch auch verständlich.

Und ich werde nicht sagen, ob ich am Donnerstag Schokolade bekommen habe.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:


Heute behandeln wir Leserfragen:


Wohin/ wie oft fahren Japaner auf urlaub?

Familien machen meist 1 Tages Ausflüge und bleiben natürlich in Japan, wobei diese Ausflüge an den traditionellen Feiertagen stattfinden. Der Großteil der Japaner verreist in der sogenannten "goldenen Woche" im April, wenn mehrere Feiertage in eine Woche fallen und viele Firmen die ganze woche freigeben. Fast immer sind innerjapanische Destinationen die Ziele, im Ausland vor allem Korea und die größeren Südostasiatischen Ländern (Thailand, Malaysien etc.) bzw. wegen der kulturellen Aspekte Europa.


Warum ist Wien/ Salzburg für Japaner so interessant (den Eindruck hat man)?

Wien und Salzburg sind mit ihren Bauten aus der Kaiserzeit, genau wie Berlin und die Pariser Altstadt bzw. Versailles, für Japaner DER Inbegriff für europäische Kultur. Diese Bauten und die Museen mit den Exponaten aus dem Mittelalter, Rennaissance etc. entsprechen ihrer Vorstellung von (dem alten) Europa. Dazu ist Salzburg natürlich Geburtsstadt von Mozart (einige der wenigen Persönlichkeiten Europas welche fast alle kennen) und Wien stellt als Kaiserstadt und mit den dazugehörigen Symbolen einen gewissen Wiedererkennungswert dar, nach dem Motto: Ja, einen Kaiser haben wir auch.


Warum tragen so viele Japaner Mundschutz, haben sie wirklich soviel Angst vor Keimen (à la Michael Jackson)?

Bei einigen trifft das wohl zu bzw. hängen sie's deswegen manchmal den Kindern um, aber bei der Frage wird die japanische Höflichkeit vergessen. Die meisten tragen den Mundschutz nicht wenn sie gesund sind und sich schützen wollen, sondern wenn sie krank sind, denn sie versuchen damit eine Verbreitung der Viren zu verhindern, und natürlich niemanden anstecken (Ich glaube, das war auch der ursprüngliche Gedanke von M. Jackson, er wollte seine Kinder nicht anstecken. Doch die kulturunbedarften Amis haben das natürlich als weitere Verrücktheit ausgelegt).


Wieviel Trinkgeld ist in Japan angebracht, wieviel geben die Leute so?

Gar keines. In Japan gibt es kein Trinkgeld, da es, in erster Linie von den Inhabern der Lokale, als selbstverständlich angesehen wird, guten Service zu bieten. Im Gegenteil, es kann als unhöflich aufgefaßt werden, da man damit zum Ausdruck bringen könnte, daß man sich hier guten Service nicht erwartet hätte und es einen überrascht hat (Ausländer werden solche Faux-pas aber klarerweise verziehen). Wenn man sich erkenntlich zeigen will, kann man eine gewisse Floskel sprechen "Es war ein Festmahl", und/oder beim Verlassen ein paarmal Danke sagen oder das Beste: Man kommt einfach wieder! (und bringt vielleicht noch jemanden mit)


Das wär's für diese Ausgabe.
Es sind zwar noch einige unbeantwortete Leserfragen übrig, dennoch bitte ich um weitere Zusendungen an die bekannte Adresse: manuel.leitgeb@gmail.com



Und da es heute fast keine Photos gab: Letztens gegessen, in Streifen geschnittener Tintenfisch und
Affenhirn.









Nein, ist natürlich kein Affenhirn, aber ein kleiner Schreck (aus Ekel) für manche Leser muß schon sein (nicht böse sein;)

Mittwoch, 13. Februar 2008

Allerlei

In nächster Zeit wird es wohl nicht mehr bei den wöchentlichen Einträgen bleiben, da aufgrund der Ferien etc. die Anzahl der berichtenswerten Ereignisse stark nachläßt. Auch werde ich aus diesem Blog NICHT ein einfaches Tagebuch mit oberflächlichen Tratsch-geschichten machen!


Schneesturm

Diese Woche ging über Kobe, sogar über Port Island, ein richtiger Schneesturm nieder, das ist keine Übertreibung denn die Sicht war extrem eingeschränkt. Das Wetter könnte man als "April-Wetter" bezeichnen, denn im Moment spielt es verrückt. Einen Tag nach dem heftigen Schneefall (der insgesamt einige Stunden angedauert hat), hatte es wieder 8 Grad plus im Schatten und schönstes Frühlingswetter. Im Moment wechselt sich sehr warme mit kühlen Tagen ab, und es flankerlt häufig, auch auf Seehöhe.


Aufgrund einer Anfrage, hier zur Erklärung: Der Seiza, den ich letztes Mal erwähnt habe, ist der traditionelle Sitz, vor allem für würdevolle Anlässe, in Japan, wobei man die Beine unter den Körper nimmt, und dann praktisch auf den Unterschenkeln sitzt. Dementsprechend ist er in den Budo-disziplinen (z.B: Karate, Kendo etc.) in einem Dojo unerläßlich und alltäglich.









Die Bilder sind Eigentum der jeweiligen Webseiten und ihrer Betreiber bzw. Besitzer


Wie man sich vorstellen kann, ist dies für den Ungeübten sehr schmerzhaft (probiert's mal aus), aber schlimmer wird es wenn der Schmerz nachläßt. Denn dann werden die Füße taub, was schwere Probleme beim Aufstehen bringen kann und es kann ein paar Minuten dauern, bis man steht. Ich hab mal einen Bekannten erlebt, welcher nach längerem Sitzen selbstsicher aufstehen wollte und dann nach der Länge hin auf den Boden gekracht ist, weil die Füße kein Gefühl mehr hatten und ihn nicht tragen konnten (war aber lustig, für sein etwas arrogantes Benehmen hatte er es verdient).
Die Damen halten im Seiza die Knie geschlossen, während die Herren sie leicht öffnen. Ein Vorteil dieses Sitzes ist, daß man im Gegensatz zum Schneidersitz etc, sich sehr viel leichter vorlehnen kann, was für Gespräche und beim Essen sehr hilfreich ist.
Die Kanji (正座) bedeuten übrigens "korrekter, richtiger Sitz", der Seiza ist also die richtige Art zu sitzen.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Da der Autor zur Zeit nicht für die Kolumne schreiben kann fällt diese heute aus.

Daher etwas Neues: Ich habe mir überlegt an dieser Stelle einmal Fragen von den Lesern zu beantworten. Also, wenn es eine Frage gibt oder Sie/ihr etwas Bestimmtes über Japan oder das Leben hier wissen wollt, schreibt mir ein E-Mail an manuel.leitgeb@gmail.com und ich werde es während der nächsten Einträge besprechen.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Wiedersehen

Zu Beginn etwas Persönliches:
Am Wochenende ist leider ein Bekannter von mir aus meiner Gemeinde verunglückt.
Im September haben wir noch gemeinsam mit anderen Freunden am Uhudler-Kellerviertelfest gefeiert. Für jene die dabei waren: Am Webalbum sind die Photos davon, auf einigen ist er auch zu sehen.

Mach's gut Dani, wo immer du jetzt auch bist ...



In Japan ist nicht viel Neues passiert, außer das jetzt die letzte Prüfungswoche an der Uni am Laufen ist.

Am Freitag habe ich mich mit Katrina, einer Freundin aus Malaysien getroffen, die in meiner Gruppe während des Sommerkurses an der Uni war (ja, es ist mir klar, daß ich noch immer nicht den Bericht über meinen 3-wöchigen Aufenthalt im Sommer in Kobe abgeliefert habe, danke). Leider war sie nur einige Tage in Kobe und ist bereits am Samstag wieder abgereist, sodaß wir nur ein paar Stunden zusammen verbringen konnten. Wir sind mit einem gemeinsamen Freund in das altbekannte Sushi Etablissement gegangen (sie war auch mit David und mir im Sommer dort) und haben uns anschließend noch ein paar Stunden unterhalten.
Es war schön mal wieder jemanden aus dem Sommerkurs zu sehen, ist das wirklich schon ein halbes Jahr her?








Weiters wurde ich von einer Freundin am Samstag zum Nabe oder Nabemono-Essen in kleiner Runde eingeladen. "Nabe" bedeutet an sich nur "Topf" bzw. "Kochtopf" sowie "Mono" einfach "Ding". Es bezeichnet nur, das man mit mittels Kochtopf verschiedene Dinge, je nach Lust und Laune, kocht, daher gibt es auch viele verschiedene Nabegerichte und Bezeichnungen, da man ja praktisch fast alles reinschmeissen kann. Heutzutage wird es meist mit einem kleinen Topf auf einem Gaskocher zubereitet, in den Wasser und Gewürze getan werden und dann je nach Geschmack Fleisch, Fisch, Gemüse etc. gekocht wird. Wichtig ist dabei für Japaner vor allem das gemeinsame Essen aus einem Topf und das Sitzen um den Kochtopf, da sie der Meinung sind, daß dies eine engere Freundschaft bewirkt (so wurde es mir jedenfalls erklärt). Frei nach der österreichischen Redensart "Beim Essen kumman d'Leut zamm."
Dazu wird man ja auch meistens zu jemandem nach Hause eingeladen, was an sich schon ein großes Zeichen von Freundschaft ist (siehe einen meiner früheren Einträge).








Nachspeise




Das spezielle am Samstag war, daß die Eingeladenen alles Leute waren, die Deutsch lernen und schon mal an der Grazer Uni gewesen sind, oder an die Uni wollen, bzw. 2 Leute die gerade erst mit Deutsch angefangen haben. Trotzdem wurde den ganzen Abend nur Japanisch gesprochen und Graz eigentlich gar nicht erwähnt (ich wurde somit nicht als Lehrer mißbraucht).
Doch das Sitzen im japanischen Sitz (Seiza) ist immer noch sehr schmerzhaft.

Dennoch habe ich es mir nicht nehmen lassen, ihnen guten burgenländischen Wein zu präsentieren. Ich habe nämlich, dank eines Tips von Trummer-sensei, hier in Kobe ein Geschäft gefunden, welches sich auf den Import von österreichischem Wein spezialisiert hat, und da der Gründer und Inhaber ein Burgenländer ist, ergibt sich der Rest von selbst.
Obwohl es ein trockener Blaufränkisch war, hat er ihnen sehr gut geschmeckt und inzwischen haben auch die Deutschen aus meinem Heim Interesse an der Verkostung guten burgenländischen Weines angemeldet. Das wird dann aber wohl ein Eiswein werden.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

In der vergangenen Woche (3. bzw. 4.Feber) wurde in Japan das Setsubun (節分) gefeiert. Ursprünglich eine Feier zu jedem Wechsel der Jahreszeit, wird es inzwischen in dieser Form nur mehr zum Frühlingsbeginn, nach traditionellem japanischen Kalendar (vom chinesischen stammend), durchgeführt. In erster Linie werden Rituale veranstaltet, um die Oni (eine Dämonenart) zu vertreiben bzw. fern zu halten (vergleichbar mit dem Austreiben böser Geister im Winter in unseren Regionen). Die häufigste Variante, vor allem im privaten Bereich, ist dabei das Verstreuen, bzw. Werfen von Sojabohnen (genannt Mame-maki) auf als Oni verkleidete Leute oder in bestimmte Richtungen im Haus, begleitet vom Aufsagen eines Bannspruches.
Es gibt, vor allem in den buddhistischen Tempeln und shintoistischen Schreinen, noch viele andere Bräuche, welche auch von Region zu Region unterschiedlich sind. In der Kansai-Region ist es ein Brauch eine ungeschnittene Maki-Sushi Rolle zu essen, allerdings hat sich dieser Brauch inzwischen anscheinend auf ganz Japan ausgebreitet. Das Setsubun ist aber kein nationaler Feiertag, und somit ein ganz normaler Arbeitstag.

Randnotiz: Morgen, am 7. Feber, ist heuer Neujahr nach chinesischem Kalendar, welches, wie zum Beispiel Ostern, jedes Jahr an einem anderen Tag stattfindet. Damit beginnt auch das bekannte, ca. 2 Wochen dauernde Frühlingsfest, der Chinesen.

Freitag, 1. Februar 2008

Hoher Besuch und Tanzen

Wieder nichts am Mittwoch, aber ich denke, Server-probleme fallen eher in den Bereich von Murphy's Gesetz als das man es mir anlasten könnte.
Donnerstag und Freitag war ich jeweils den ganzen Tag nicht zu Hause, weswegen sich das Update eben auf Freitag Abend verschoben hat.

Zuerst Werbung in fremder Sache: Ich habe von zu Hause ein Paket mit Mehlspeise für meine Gastfamilie bekommen. Diese stammt von der Mehlspeis & Kaffe stub'n "Aloisia" aus Badersdorf (im SO des Bezirks Oberwart im Burgenland) und ist sehr empfehlenswert.


Jetzt aber wieder zurück zu unser eigentlichen Show.
Am Wochenende hatte ich die Ehre, Fürst Takaki Meiyuu (高貴 明勇), seines Zeichens Daimyo der östlichen Provinzen bei mir zu empfangen. Seine Durchlaucht hat beschlossen auf seiner Reise durch die Kansai-Region mir, als Daimyo der Provinzendes mittleren Westens, die Ehre zu erweisen, mir auf meinem Verwaltungssitz einen Besuch abzustatten (er besuchte auch meinen eigentlichen Hauptsitz, Burg Himeji, doch ist diese für mich zu unpraktisch für die tägliche Arbeit). Die meisten werden Ihn allerdings unter seinem europäisierten Namen, Helmut Hödl, kennen.

Ich habe ihn zum Abendessen in das Ryukyu/Okinawa Restaurant geführt, und dieses Mal auch die Kamera mitgenommen. Er hat mich erzählt was es Neues in Tokyo gibt, mußte aber leider schon am nächsten Tag wieder nach Nara aufbrechen. Helmut wird übrigens am 7. Februar nach 1 1/2 Jahren Studium in Japan nach Hause zurückkehren. Da warens nur noch 2 Studenten aus Graz in Japan ...








Vor einiger Zeit war es wirklich einmal eine Woche lang richtig kalt, sodaß es auf den Hügeln sogar geschnieben hat.




Da die Uni eben auf halber Höhe liegt, hat es einige Tage gegeben an denen ich an der Uni war und es plötzlich zum Schneien angefangen hat (ich wollte es zuerst gar nicht glauben), was mich aber sehr gefreut hat. Von den Reaktionen anderer Leute, zum Beispiel von einer Amerikanerin, die noch nie Schneefall erlebt hat, gar nicht zu reden.
Die richtige Kälte in Kobe war wirklich schön, vor allem da es zu Hause für Jänner ja wieder unnatürlich warm ist (aber nein, Klimawandel ist ja kompletter Blödsinn), allerdings ist es inzwischen auch in Kobe wieder wärmer geworden.


Letzte Woche wurde ich auch von einer Bekannten zum Besuch einer Trainigseinheit des Tanzklubs der Uni eingeladen, da wir während eines Gesprächs auf das Thema Tänze gekommen sind und der Klub Balltänze einübt (Rumba, Walzer, Chachacha, Lateinamerikanisch etc.). Interessant ist anzumerken, daß, obwohl es sich um Balltänze handelt, welche ja auch in unseren Breiten oft als veraltet angesehen werden, der Klub über hundert Mitglieder zählt. Wobei wirklich ca. die Hälfte Männer sind, anders als bei uns, wo es oft einen starken Überhang von Frauen in Tanzkursen etc. gibt. Wie alle Universitätsklubs wird auch in diesem extrem ernst an die Sache herangegangen, mit minutenlangen Üben der Grundhaltung, Muskelaufbauübungen etc. Man kann die Anstrengung und Konzentration an den Gesichtern ablesen, und obwohl die Fortgeschrittenen sehr gut tanzen können, und technisch einiges draufhaben, hatte ich persönlich das Gefühl, daß die Leidenschaft und Emotionen irgendwie fehlen, bzw. da sie Japaner sind, diese nicht gut ausgedrückt werden. Vor allem bei Tänzen aus Lateinamerika (Tango!)

Hier ein paar Eindrücke:






Hier wird im Hintergrund einfach nur "1,2,3" gezählt, allerdings wie in Japan üblich, von allen und sehr laut.






Das war's auch schon, nach den extrem langen letzten Einträgen, die diese Länge wegen des Nachholbedarfs hatten, werde ich jetzt wieder auf kürzere zurückgehen.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Freizeitklubs an japanischen Universitäten, ob im Bereich Sport, Kunst oder Kultur, sind eine ernste Angelegenheit und ihre Mitglieder kann man ohne Übertreibung als halbprofessionell bezeichen. Die Klubs trainieren 2-4 Mal pro Woche mehrere Stunden lang, und nehmen in der Regel nur Personen auf, die schon einige Jahre Erfahrung (durch Klubs in Schulen) im jeweiligen Bereich haben, somit kann man als Anfänger praktisch nicht beitreten. Natürlich treten die KLubs in Wettbewerben gegen andere Universitäten an, wobei es als große Ehre empfunden wird, zur Wettkampfmannschaft zu gehören.
Die "leichtere" Variante der Klubs sind die sogenannten "Circles" (engl.= Kreise), diesen können auch Anfänger beitreten, dennoch trainieren auch sie oft mehrmals die Woche, und was schwerer wiegt, decken sie bei weitem nicht das vielfältige Spektrum an Disziplinen wie die Klubs ab. Die Klubs scheinen oftmals für Studenten (vor allem für auswärtige) die Familie zu ersetzen und für viele sind sie mindestens gleich wichtig, für einige sogar wichtiger, wie ihr Studium.
Hier bewahrheitet sich wohl wieder die Meinung, daß Japaner, wenn sie eine Sache beginnen, diese bis zum Extrem betreiben und sie mit nahezu verbissenem Ehrgeiz bestreiten. Daher sollte man auch vorsichtig sein, wenn man Japanern seine Hobbys mitteilt, denn diese können sehr schnell im Sinne der japanischen verstanden werden, und es kommt zur Annahme, daß man den Status der Halb professionaliät hat. Man sollte dann klarmachen, daß die Hobbys rein nur zum Spaß und bei weitem nicht so oft ausgeübt werden.

Montag, 28. Januar 2008

Kunst und Ryûkyû

Ich hoffe nach diesem Eintrag wieder zum gewohnten Mittwoch bzw. Mittwoch-Wochenende Rythmus mit meinen Updates zurückkehren zu können.

Also, wie bereits erwähnt waren die Tage nach dem Schitrip gefüllt mit Arbeit für die Uni, doch nach dem Erledigen dieser nervigen Nebenbeschäftigung, hat sich diese Woche auch wieder interessantes ereignet.

So habe ich zusammen mit einer Freundin eine Ausstellung im Stadtmuseum von Kobe über Ukiyo-e (浮世絵) besucht. Ukiyo bedeutet soviel wie "die vergängliche Welt" also so in Richtung des Diesseits und "e" steht in diesem Fall einfach für Bilder. Ukioye sind die, in der Edo-zeit aufgekommenen, japanischen Farbholzschnitte (auch zum Drucken bestimmt) und auch Bilder, wobei die Darstellungen sich auf das alltägliche Leben der Menschen, ihre Feste (sehr oft wurden bekannte Kabuki-darsteller gemalt) und der Umgebung konzentrieren, was ein Novum in der japanischen Kunst darstellte, was vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem Biedermeier, auch was das Bürgertum betrifft, ist. In der westlichen Welt sind Ukiyo-e der Begriff für traditionelle japanische Bilddarstellung geworden, wobei wohl Katsushika Hokusai und sein Zyklus "36 Ansichten des Berg Fuji" am berühmtesten ist.
Besonders interessant, für mich persönlich, ist, daß japanische Ukiyo-e auch einigen Einfluß auf europäische Kunst nach der Öffnung Japans hatten, so wurde van Gogh sehr stark von diesen inspiriert und soll sich auf die Suche nach einer "japanischen Landschaft" in Frankreich begeben haben, um seine Bilder, nach Vorbild der Ukiyo-e, daran orientieren zu können. Auch hat er einige bekannte japanische Werke in seinem Stil und Farben reproduziert.
Andere Künstler deren Werke von Ukiyo-e beinflußt wurden, waren unter anderem Gauguin und Klimt.
Ukiyo-e beinhaltet aber auch "vulgäre" Darstellungen, wie Bilder von Kurtisanen oder Sex-Szenen, weswegen sie manchmal Probleme in Japan selbst hatten (allerdings mehr mit dem Verkauf als mit gesetzlichen Beschränkungen), bzw. sie auch von vielen westliche Kunstkritikern abgelehnt wurden. Auch wegen ihrer Darstellungen des einfachen Lebens, eine Kritik wie sich auch das Biedermeier immer wieder stellen muß.

Leider war, wie in den meisten Museum, Photographieren strengstens verboten, weswegen ich keine Photos herzeigen kann. Stattdessen eine Darstellung aus dem Internet, keine Sorge nach 200 Jahren ist das Urheberrecht abgelaufen: "Die große Welle von Kanagawa" aus Hokusais "36 Ansichten des Berg Fuji"-Zyklus (Das Original habe ich im Museum gesehen)




Das Besuchen der Ausstellung hat mir auch wieder vor Augen geführt, warum ich Moderne Kunst, insbesondere Abstrakte, nicht ausstehen kann. Wenn man die Bilder betrachtet, die Details, das Zusammenspiel der Farben bzw. die Farbpracht selbst, die Athmosphäre, sowie die Kunst z.B. mit nur Abstufungen der Farbe Blau auf weißer Leinwand ein wunderschönes und ästethisches Bild zu schaffen, so muß uns die moderne abstrakte "Kunst" dagegen als amateurhaft erscheinen. Egal ob es sich nun um Kunstrichtungen wie Jackson Pollock und sein "Action Painting" handelt, oder ähnlichem welches in den letzten 50 Jahren aufgekommen ist, wobei aber vor allem in Österreich mit Mühl und Nitsch extreme Vertreter zu finden sind.
Was mich dabei stört ist die Trennung von Vision und Fähigkeit. Ein Künstler soll und muß natürlich eine Vision haben, um ein großartiges Kunstwerk zu schaffen, doch heutzutage scheint der Begriff Vision zu einem Selbstläufer geworden zu sein, ohne daß gleichzeitig auch außergewöhnliche Fähigkeiten benötigt werden. Oftmals scheint man nur etwas Aufregendes oder Abstraktes machen zu müssen, und einen Marketingexperten zu kennen, der es versteht dies gut zu vermarkten und als Kunst zu verkaufen und schon wird man berühmt, solange man behauptet, man hätte eine Vision zu diesem "Werk" und sie darin verarbeitet bzw. man will etwas damit ausdrücken. Ich nehme mich selbst als Beispiel: Wie schon mal gesagt, bin ich im Bereich der darstellenden Kunst ein Totalversager (Gott sei Dank nicht in der Musik), aber ich kann auch einen Kübel Blut auf eine Leinwand schütten, ein Loch in eine Dose Farbe bohren und über ein Gemälde tragen, oder Kugeln in Strumpfhosen stecken und diese zusammennähen. Doch man setze mich vor ein Gemälde von Da Vinci, van Gogh oder Klimt und erkläre mir ich solle es nachmalen, und ich werde denjenigen einfach nur auslachen und gehen.
Auf den Punkt gebracht ist meine Meinung, daß wirkliche Kunstwerke ohne technische Hilfsmittel nicht einfach zu kopieren sind.
Das Traurige dabei ist, daß heute oftmals Künstler mit großen Fähigkeiten und Potential keinerlei Chance haben bekannt zu werden, da ihre Bilder von der "Szene" und von vielen Kritikern als zu unspektakulär zu wenig aufregend oder schlicht als zu "brav" angesehen werden. Wenn man die Geschichte der Kunst betrachtet, ist die Ironie dabei nicht zu verkennen.


Ich möchte mich an dieser Stelle entschuldigen, für den langen Absatz über meine persönlichen Ansichten, vor allem weil es nichts mit Japan zu tun hat, aber ich mußte es einfach loswerden.


Da wir von Klimt gesprochen haben, hier ein Aufdruck auf einer Schachtel Pocky (Schokolade sticks)






Eine andere Packung hatte den Aufdruck eines Bildes von Renoir ("Junges Mädchen trägt Blumen")


Auch war ich diese Woche in einem Restaurant mit Okinawa-Küche essen. Diese besitzt aufgrund der langandauernden chinesischen Einflüße, aber vor allem wegen ihren kulturellen Eigenheiten, einige spezielle Besonderheiten, die man nirgendwo sonst in der japanischen Küche finden kann. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei, weswegen es keine Photos gibt, aber wenn ich wieder dorthin essen gehe, werde ich sie nicht vergessen.
(Für die Anime-Fans unter euch: Der Anime "Samurai Champloo" hat seinen Namen nach dem Okinawa-Gericht "champuru", was soviel wie "Mix" bedeutet und auf den Mix von Moderne und Tradition in diesem Anime hinweist)

Da ich augenscheinlich der einzige (westliche) Gaijin (Ausländer) im Restaurant war, haben sich die Kellnerinnen (es waren nur Mädchen) einen kleinen Scherz mit mir erlaubt. Es ist normal, daß Kellner wenn ein Gast an in ihnen vorbeigeht ihn begrüßen, oder wenn er auf dem Weg zum Ausgang ist, ihn verabschieden, dafür gibt es extra Vokabeln im Japanischen (ich verweise hier auf meinen Eintrag bezüglich "irrashaimase), manchmal machen sie dies auch jedesmal, selbst wenn es der gleiche Gast ist. Wenn man das Restaurant verläßt, wird man am Ausgang von nächststehenden Kellner noch extra verabschiedet, so entspricht es der Höflichkeit.
Wie dem auch sei: Während wir nun nach dem Essen die Rechnung entgegengenahmen, haben sich hinter mir unbemerkt (Japaner können das) alle Kellnerinnen im Halbkreis aufgestellt, und als ich den Fuß auf die erste Stufe der Stiege Richtung Ausgang gesetzt habe, haben alle gleichzeitig, ganz laut (mit einem breiten Grinsen im Gesicht) "Kommen Sie bitte wieder!" gerufen, und sie waren amüsiert ob meines überraschten Gesichtsausdruck.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Die Insel Okinawa (沖縄) ist eigentlich nur der Name der Hauptinsel der Präfektur Okinawa, welche aus einer ganzen Inselkette besteht, deren eigentliche Name Ryukyu (琉球) ist. Ursprünglich besitzen die Ryukyu-Inseln, aufgrund intensiver Kontakte mit China und anderen asiatischen Ländern, sowie ihrer relativen Selbstständigkeit bis Anfang des 17. Jahrhunderts, eine eigenständige Kultur und Sprache, die dem Japanischen heute zwar sehr ähnlich ist, aber dennoch als unterschiedlich betrachtet werden kann, vor allem was den Okinawa-Dialekt betrifft, der sich doch deutlich vom Standard-Japanisch unterscheidet.
Die Ryukyu Inseln waren im Mittelalter (ab ca. 1000) ein eigenständiges Königreich, das zwar stark von China beeinflußt wurde und auch Tributzahlungen an China leistete, aber aufgrund Chinas Politik der Quasi-Isolation eine sehr lange Zeit praktisch souverän war. Im Jahr 1609 eroberte dann ein Daimyo, mit Billigung durch den Shougun, Ryukyu, wodurch sie formell die Unabhängigkeit verloren, da sich aber auch der Daimyo mit Steuerpflicht und geringer direkter Kontrolle zufrieden gab, konnte die Kultur relativ eigenständig weiterexistieren, insbesonders da der König weiter erhalten blieb um den chinesischen Gesandschaften die Kontrolle durch Japan nicht zu offenbaren.
Damit befand sich Ryukyu aber mehr oder weniger in doppelter Abhängigkeit von China und Japan, was zu einigen Problemen und Spannungen in der Bevölkerung führte, die Reformen notwendig machten, welche im Endeffekt zu einem Aufschwung und einer weiteren Stärkung der spezifischen Eigenheiten Ryukyus führte.
Nach der Meiji-Restauration 1868, und der Loslösung von China (da Japan China in verschiedene Schlachten besiegte) kam es aber zur Einrichtung der Präfektur Okinawa und in Folge dessen zur endgültigen Abschaffung des Königs, der direkten Kontrolle aller Lebensbereich durch die Regierung in Tokyo, und der verstärkten Verbreitung der japanischen Kultur und Sprache der Hauptinsel (dies wird heute oft als Art Assimiliationspolitik betrachtet).

Okinawa ist besonders bekannt für seine Rolle im 2. Weltkrieg, da sie einziger Austragungsort einer Schlacht auf wirklich bewohnten japanischen Boden (Iwo Jima ist mit Ausnahme von Militär praktisch unbewohnt), und nach Iwo Jima die 2-verlustreichste Schlacht der Amerikaner im Pazifikkrieg war. Bis in die '70er standen die Inseln dann auch unter amerikanischer Besatzung und Verwaltung, noch heute befindet sich dort die zweitgrößte US Marinebasis des Pazifik. Das Verhältnis zwischen der Bevölkerung der Ryukyu-Inseln und der Regierung in Tokyo ist immer noch etwas gespannt, da erst ungefähr in den letzten 10 Jahren begonnen wurde die ursprüngliche Kultur und Sprache der Inseln zu fördern (allerdings nicht vom Staat), wobei vor allem die Sprache ein Problem darstellt, da viele Junge in die Städte der Hauptinsel auswandern, und den Okinawa-"Dialekt" nicht mehr beherrschen.

Samstag, 26. Januar 2008

Schifoan

Aber vorher:
Da Neujahr, wie schon erwähnt, ähnlich unsererm Weihnachtsfest und somit ein Familienfest ist, ist Silvester in Japan eines: Langweilig. Es sind zwar doch viele Menschen unterwegs, und es ist genügend Alkohol vorhanden, aber dennoch ist es kaum mit unseren Silvesterfeiern zu vergleichen.
Ich für meinen Teil, habe den 31. mit einem Besuch bei meiner Gastfamilie verbracht, und bin am Abend mit Simon nach Sannomiya gefahren. Nach einem hervorragenden Mahl in einem Seitengassen-Restaurant (die Hauptgerichte werden auf kleinen Spießen gegrillt und dann serviert) sind wir für den Jahreswechsel in einen English-Pub gegangen. Wie gesagt, der Wechsel war vergleichsweise unspektakulär, aber die Erkenntnis, daß, während hier schon Neujahr gefeiert wird, es zu Hause gerade einmal 16.00 Uhr und an der amerikanischen Westküste sogar noch der Morgen des 31. ist, war ein merkwürdiges Gefühl.




Im Anschluß bin ich nach Tokyo gefahren, und am 4.1. zu einem Schitrip nach Nagano aufgebrochen. Dieser wurde vom Austauschstudenten-Zentrum organisiert, was bedeudet, daß die 35 Teilnehmer alles Austauschstudenten waren, also leider, bis auf die Betreuer, keine Japaner dabei. Da aber gut die Hälfte der Leute aus Chinesen und Koreaner bestand, waren trotzdem genug Gelegenheiten vorhanden japanisch zu üben.

Das erste das in Nagano auffällt: Schnee. SCHNEE! Und zwar wirklich viel davon. Und Minusgrade. Herrlich!
Sorry, ich brauch ein bißchen, um zu mir zu kommen ... okay geht wieder.

Die Zimmer im Hotel waren im japanischen Stil gehalten (ryokan 旅館), was bedeutet, daß der Boden aus Tatami-matten bestand und es zum Schlafen keine Betten sondern Futons gab. Ein Futon ist eine dünnen Matratze (eigentlich nur eine große, etwas dickere Decke) zum Auflegen auf dem Tatami-Boden, sowie ein Polster (in diesem Fall mit Bohnen gefüllt) und eine Decke (dünn im Sommer, dick im Winter) zum Zudecken. Ein Futon ist dazu gerichtet, nach dem Schlafen weggeräumt und in den Kasten gelegt zu werden, aus Gründen der Platzersparnis. Leider habe ich kein gutes Photo vom Zimmer, aber man sollte auch von diesen hier eine ungefähre Vorstellung bekommen.




Der Tisch in der Mitte wird weggeräumt, wenn man die Futons zum Schlafen auflegt.

Die Leute waren jeweil zu viert in einem Zimmer, wobei Männer und Frauen, wie in Japan üblich, nicht nur nach Zimmer sondern auch nach Stockwerk getrennt waren (Ausgenommen Familien und Paare, diese waren auch extra in einem Stockwerk, bzw. Abschnitt).

Zum Frühstuck gab es auch westlich angehauchtes Essen (Schinken, Würstl und Eierspeis), das große Abendessen war aber natürlich rein asiatisch (japanisch, chinesisch) und ausgesprochen groß und gut.

Ein Beispiel




Wir waren in der Shiga-kogen Schiregion, wo sich die Slalom- und Riesentorlaufpisten der olympischen Winterspiele von 1998 befinden (leider nicht die Abfahrtspiste, ich hätte gerne den Abschnitt gesehen, wo Hermann Maier zu seinem Flug gestartet ist). Das Schöne war, daß die Teilnehmer entgegen dem was in Japan üblich ist, völlig frei und autonom agieren durften und nicht in einer Gruppe sein mußten. Mit Ausnahme natürlich des Schianfängerkurses, aber die waren logischerweise froh, in einer Gruppe zu sein.
Japanische Berge sind, wie man auf den Photos weiter unten sehen kann, aufgrund ihrer Entstehung aus Vulkanen im Allgemeinen selbst bei größerer Höhe (2000m und aufwärts) vergleichsweise flach ansteigend und vor allem abgerundet. Es gibt eher wenig schroffe Klippen und kaum spitze Gipfel (wie etwa in den Alpen), dementsprechend besteht auch der Großteil der Pisten aus grünen (bei uns blau) und roten Pisten. Dennoch existieren natürlich auch schwarze Pisten und Abschnitte (sonst wäre eine Olympiade kaum möglich gewesen), aber mit diesen gibt es in Japan, meiner Meinung nach ein großes Problem: Japaner scheinen der Ansicht zu sein, schwarze Pisten werden nur von absoluten Profis bzw. von verrückten Freaks befahren und für Personen solchen Schlages sei einfach nur eine Piste nicht das richtige, weswegen sie in mehr als die Hälfte aller schwarzen Abschnitte eine Buckelpiste integrieren. Ganz ohne Warnung oder Möglichkeit am Rande auszuweichen.
Ich persönlich HASSE Buckelpisten. Ich bin der Meinung, so wie anscheinend ein Gutteil fortgeschrittener Fahrer, daß Buckeln ansonsten wunderbare Abfahrten ruinieren, da sie den Fahrfluß unterbrechen, besonders schlecht für Mann und Material und an sich einfach nur unnatürlich sind. Es gibt Leute, die befahren sie gerne, und ich habe absolut nichts dagegen ab und zu Abschnitte von Pisten dafür herzurichten, aber bitte doch nicht auf die gesamte Breite auf jeder zweiten schönen, schwarzen Abfahrt.








Etwas, das ich zufällig in einer Skihütte auf einem Gipfel gesehen habe:
Ein normales Service-Schild, aber man beachte den Aufkleber in der rechten Ecke.




Richtig! Ein Aufkleber vom Ötztal, komplett mit Ortsnamen auf Deutsch (hier nicht zu erkennen)
Nicht zu fassen, mitten in Japan in irgendeiner kleinen Schihütte.




Wie in Japan bei solchen Veranstaltungen (Ausflüge etc.) üblich, gab es auch dieses Mal eine, von den Betreuern organisierte, Party an einem Abend. Genauere Beschreibung des Aufbaus und Ablaufs solcher Partys in der Kolumne. Jedenfalls hat sich gezeigt, daß Asiaten, vor allem Mädchen wegen ihrer zierlichen Gestalt, manchmal Probleme mit Alkohol haben. So war eine Chinesin nach dem Komsum (aber praktisch auf einen Zug) einer Dose einer japanischen süßen Alkoholmischung (fern vergleichbar mit sogenannten "Alkopops") mit nicht ganz dem Alkoholgehalt von Bier, vollständig "erledigt".

Die Deutschen bei der Arbeit




Nagano ist berühmt für sein Apfelanbaugebiete (da werde ich gleich an meine Heimatgemeinde erinnert) und für seine Soba-Nudeln. Die Äpfel die wir zum Kauf gesehen haben, waren wirklich riesig, was die Frage der Anbaumethoden aufwirft, aber interessanterweise waren sie gleichzeitig nicht künstlich makellos, wie sie in österreichischen Supermärkten oft zu finden sind, sie haben tatsächlich ausgehen wie normale, richtige Äpfel.

Insgesamt waren es 4 volle Tage Schifahren mit jeweils 9 Stunden Busfahrt hin und zurück. Trotz dieser Anstrengung war es einfach wunderbar und es hat sich auf alle Fälle gelohnt.





Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Partys in Japan. In Japan ist üblich, daß auf Ausflügen, bei längeren Konferenzen und größeren Treffen innerhalb Firmen, Partys veranstaltet werden. Diese reichen von kleinen, nur mit Snacks und kleiner Auswahl an Getränken, bis zu großen Buffets mit allen möglichen Alkoholika. Wie aus dem letzten Satz herauszulesen, ist Alkohol immer ein wichtiger Bestandteil, obwohl der Grundgedanke natürlich das Kennenlernen und Kontakte pflegen mit Kollegen bzw. entspannen in lockerer Atmosphäre ist. Um keine falschen Vorstellungen zu erzeugen: Das tatsächliche Konsumieren von Alkohol ist einer der wenigen Punkte bei denen der Gruppenzwang sehr gering ist (er scheint sogar geringer zu sein als in Österreich), doch sollte man das Nichttrinken konsequent während der ganzen Party einhalten. Firmen und offiziell veranstaltete Feiern sind fast immer gratis während bei Privatfeiern es Usus ist, daß jeder Gast einen kleinen Anteil an Getränken und "Snacks" mitbringt, bzw. eine kleine Gebühr zu entrichten ist, für große Besorgungen die von jemandem Bestimmten erledigt wurden.
Ob rein privat oder geschäftlich, drei Dinge haben alle japanischen Partys gemein:
1) Sie dauern eine gewisse Zeit oder enden zu einem bestimmten, vorher festgesetzten Zeitpunkt. (im Falle der Schitrip-party war dies 22.00 Uhr) Damit ist die Party offiziell beendet und von den Gästen wird erwartet, daß sie den Ort des Geschehens verlassen.
2) Direkt am Ende der Party wird sofort alles aufgeräumt, wobei von allen Gästen erwartet wird, daß sie helfen (zumindest jene, die noch in der Lage dazu sind), der gesamte Müll zusammengetragen und der Veranstaltungort so verlassen, wie er vorgefunden wurde.
3) Die nicht-komsumierten Speisen und Getränke werden an die Gäste verteilt, das bedeutet, daß jeder Gast von den übriggeblieben Dingen mit nach Hause nehmen darf, was er möchte, ohne Bezug darauf nehmen zu müssen, wer was mitgebracht hat.

Anmerkung: Die oben vorgestellten "Regeln" und Verhaltensweisen gelten für Feiern, die nicht in privaten Räumlichkeiten (Haus eines Gastgebers) abgehalten werden, sondern in Räumen, welche extra für Feiern und Treffen konzipiert sind. Bei Partys in Privathäusern können sich die Regeln je nach Gastgeber leicht ändern. Dies ist insofern wichtig, da Japaner sehr oft "außer Haus" feiern, und es im Gegenteil eine große Ehre, bzw. ein großes Zeichen von Freundschaft und Verbundheit ist, wenn man von einem Japaner zu ihm nach Hause eingeladen wird.

Montag, 21. Januar 2008

Die östliche Hauptstadt - Tokyo

Es ist länger her, daß ich einen Eintrag hinterlassen habe, da ich einerseits auf Ski-Urlaub war (Bericht das nächste Mal) und andererseits einige Kurse an der Uni erledigt (mehr oder weniger) habe.
So hatte ich letzte Woche 2 Semesterarbeiten abzugeben, sowie 3 Präsentationen (1 Gruppen- 2 Individualpräs.) zu halten, wobei eine davon 1 1/2 Stunden dauerte und teils auf Englisch teils auf Japanisch war. Ja, es war eine anstrengende und zeitaufwendige Woche. Das Gute daran: Für rund die Hälfte meiner Kurse habe ich jetzt nichts mehr zu tun, und die andere Hälfte ist nicht so anstrengend.

Jetzt aber zur versprochenen Zusammenfassung meines Tokyo-Trips.

Nach Tokyo bin ich per Flugzeug mit einer japanischen Linie vom Kobe-Airport geflogen. Anmerkung: Flugbegleiter japanischer Fluglinien sind alle weiblich, jung, und fast immer ausgesprochen hübsch, was durch ihre modischen Uniformen betont wird. Dies ist keineswegs sexistisch oder ähnlich gemeint, es gilt als inoffizielle Anforderung in Japan, und normal werden Stewardessen zu einem großen Teil nach diesen (inoffiziellen) Kriterien ausgesucht.
(Die Uniformen der AUA, ob männlich oder weiblich, finde ich persönlich sehr häßlich)

Der Kobe-Airport ist ganz neu (Eröffnung 2006), dient ausschließlich zu Inlandsflügen, weswegen er sehr klein ist und liegt auf einer kleinen künstlichen Insel gleich südlich von Port Island (der Portliner-Zug verbindet beide Insels mit dem Festland).
Es gab einige Kontroversen bezüglich des Baus und Betriebs des Flughafens, unter anderem da der Kansai International Airport praktisch in der Nachbarschaft liegt, auf die ich aber nicht genauer eingehen werde (u.a. wirtschaftliche, technische und politische Gründe). Soweit ich gehört habe, gibt es auf Wikipedia (Deutsch und Englisch) einige gute Zusammenfassungen der Problematik, für jene, die es interessiert.






Dankenswerterweise durfte ich bei Helmut übernachten, obwohl sein Heim gerade neu gebaut wird, und die Heimbewohner daher für 1-2 Jahre in ein Container-heim umziehen mußten. Dementsprechend ist sein jetziges Zimmer winzig (ca. 6,5m²), die Japaner wird es wohl nicht so stören, die sollten an wenig Platz gewohnt sein.




Wie bereits letztes Mal berichtet waren wir dann bei Seiner Majestät, wo wir auch einige Bekannte von Helmut getroffen haben, ein Japaner und zwei Deutsche. Später in der Stadt ist dann etwas komisches passiert: Irgendwie ist es dazu gekommen, da0 Helmut und ich die japanische Hymne gesungen haben, mit der Deutschen (aus Bayern) und der Fahne in der Mitte.
Man stelle sich das Bild genauer vor: Drei Ausländer, 2 Männer 1 Frau, inmitten Tokyo, die Frau hält vor der Brust eine kleine japanische Flagge, während die Männer sie flankieren und die japanische Hymne singen.
Ja, unsere Assimilierung schreitet gut voran.
Widerstand ist zwecklos.


Übrigens ist der Hauptbahnhof von Tokyo (Stationsname Tokyo) architektonisch nach englischem Vorbild gebaut worden.




Nach dem Essen sind wir dann weitergezogen nach Akihabara, dem berühmten Technik Geek/Otaku Viertel von Tokyo. Um's in einem Satz zu sagen: Du bist interessiert an Computer/ Spiele/ Anime-Manga oder etwas ähnlichem? Fahr dorthin. Sofort. Akihabara muß man zumindest einmal gesehen haben, wenn man in Tokyo war.






In Roppongi waren wir nicht, aber um es mit den Worten eines Bekannten zu sagen: Gott existiert in Roppongi nicht, der ist auf Urlaub oder sonstwas.

Dafür haben wir einen Blick auf eines, der im Moment sehr angesagten, Maid-Kissa geworfen, d.h. soviel wie Dienstmädchen/-magd Café. In diesen Cafés sind die Kellner ausnahmslos junge hübsche Mädchen, in, je nach Café verschiedenen, Dienstmädchenuniformen. Sie sprechen mit hoher, zuckersüßer Stimme und in einer grammatikalischen Form, die den Gast besonders hochstellt und mit einer anderen, die sie selbst niedriger stellt. Zudem verwenden sie Phrasen als würde der Besucher in seine Villa nach Hause kommen. Das hört sich dann in etwa so an: "Willkommen zu Hause mein verehrter Herr/Gebieter. Womit darf ich Euch heute dienen? Bitte macht es euch gemütlich während ich Euch serviere." etc. Bei uns, oder noch schlimmer in den USA, frage ich mich wie lange es wohl dauern würde, bis die ersten Demonstrationen und Proteste von Feministinnen einsetzen? Reingegangen sind wir dann nicht, da wir nicht 1 Stunde warten wollten, aber gesehen muß man sowas auch einmal haben.
In Akihabara kann man die Verrücktheit der Japaner sehr gut beobachten.

Als Modellbausatz:
Ich präsentiere: Der Nazi-Käfer




Unsere Begleiter sind dann nach Hause, während Helmut und ich uns auf den Weg zum Yasukuni Schrein machten, wobei wir einen kleinen Spaziergang durch die ruhigeren Gebiete Toyos gemacht haben. In diesen ist es sehr schön, und man kommt sich vor, wie in einer Stadt mit der Größe von Bruck oder Graz; Tokyo gilt nunmal auch als "grünste" Metropole der Welt.
Der Yasukuni-Schrein ist jener Schrein, der immer wieder für Kontroversen in der Politik sorgt, da dort die Seelen der Gefallenen verschiedener Kriege seit 1855, verehrt werden, unter anderem aber auch einige von verurteilten Kriegsverbrechern des 2. weltkrieges, was vor allem China sauer aufstößt.
Ich werde nicht auf die näheren Umstände eingehen, da das Theme inklusive Referenzen auf Politik, Aufarbeitung, Religion und Kultur, mindestens einen eigenen, wenn nicht mehrere Einträge füllen würde. Es sei nur soviel gesagt, daß es bei weitem nicht so einfach zu erklären und zu handhaben ist, wie viele Leute vielleicht meinen.




Beim Schrein befindet sich auch ein Museum mit verschiedene Exponanten, zum Beispiel:

Der Pilot wartet vor seinem Zero-Jäger (Mitsubishi A6M) auf die Inspektion durch den Kommandanten






Eine der beiden 20mm-Kanonen der A6M5




Auf Okinawa gefundenes, mit Einschußlöcher versehenes, Artillerie-Geschütz




Neben dem 2. Weltkrieg, eigentlich hier "Großer Ostasiatischer Krieg", da auch die Kämpfe in China seit '37 einbezogen sind, befaßt sich ein Großteil aber (zur Zeit) mit dem Russisch-Japanischem Krieg von 1904/05. Wir habem diese Ausstellungen aber nicht angesehen, da es schon recht spät war, das Museum war vor dem Schließen, und zwei Geschichtefreaks wie wir für so etwas aber mehrere Stunden benötigen (von den anschließenden Diskussionen darüber ganz zu schweigen).

Es ist dann Nacht geworden und nach der Rückkehr in Helmuts Heim, bin ich dann nach Hause gefahren, diesmal mittels des Nozomi-Shinkansen. 589 Kilometer in 2 Stunden 48 Minuten, und zwar genau 2h 48min wie im Fahrplan angegeben, ich kann die Genauigkeit dieser Züge (Shinkansen) nicht oft genug erwähnen (na gut, vielleicht waren's 2h 47min).

Fazit: Tokyo ist/war sehr schön und interessant und ich würde es gerne wieder besuchen, aber aufgrund seiner Größe würde ich dort nicht auf Dauer leben wollen.


Ein großer Dank an Helmut für seine Gastfreundschaft und seine Tätigkeit als Fremdenführer!


Das nächste Mal berichte ich dann über meinen Schi-ausflug nach Nagano, sowie kurz auch noch über Neujahr in Kobe.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Tokyo (東京) bedeutet wortwörtlich "Östliche Hauptstadt" und ist erst seit 1868, seit der Meiji-Restauration und dem Umzug des Kaisers von Kyoto in den ehemaligen Shogunpalast nach Tokyo, offizielle Hauptstadt Japans, und löste damit nach ca. 1000 Jahren Kyoto als Hauptstadt ab (ein Umstand den viele Bewohner von Kyoto noch immer bedauern). Die Stadt trägt auch erst seit diesem Jahr den Namen Tokyo, zuvor hieß sie Edo, und war während des Tokugawa-Shogunats (seit 1603), obwohl nicht offiziell Hauptstadt, politisches und verwaltungstechnisches Zentrum des Landes sowie Sitz des Shoguns. Daher wird diese Epoche 1603-1853/1868 (1853-1868 gilt mehr oder weniger als Zwischenepoche) auch im Allgemeinen als Edo-Zeit bezeichnet.
Heute gibt es eigentlich keine wirkliche "Stadt" Tokyo. Es existieren die inneren 23 Stadtbezirke mit ca. 8,5 Millionen Einwohner, welche alle eine eigene Verwaltung besitzen und als eigene Städte fungieren; die Präfektur Tokyo, mit 12-13 Millionen Einwohener die bevölkerungsreichste, bestehend aus den inneren Bezirken und angehängten Regionen (wobei interessanterweise auch einige Inseln im Pazifik dazu gehören); Und der Ballungsraum Tokyo, welcher sich in andere Präfekturen erstreckt (so gehört auch die Stadt Yokohama dazu) und mit knapp 35 Millionen die größte Metropolregion der Welt ist.
Alle 3 Bezeichnungen existieren offiziell und werden verwendet. Sie besitzt damit eine gewisse Ähnlichkeit zu Wien, welches gleichzeitig Stadt, Land und Hauptstadt Österreichs ist.

Tokyo ist eine der wichtigsten Städte der Welt und gilt trotz ihrer Größe als sehr sauber und grün, und auch als eine der sichersten Großstädte der Welt. Der Autor persönlich macht sich mehr Sorgen in der Nacht durch den Grazer Stadtpark zu gehen, als durch den Ueno-Park in Tokyo (Obwohl Graz natürlich auch sehr sicher ist, keine Frage).


Diese Stadt gehört mit Sicherheit auch zur Liste jener Städte, die jeder Mensch einmal im Leben besucht haben sollte.