Donnerstag, 20. März 2008

Über die Himmelsbrücke

Es hat jetzt länger keine neuen Beiträge gegeben, da ich fast eine Woche auf Okinawa und dem Ryukyu-Archipel verbracht habe (aber dazu später) und auch sonst etwas auf Reisen war.

Vor einiger Zeit war ich zusammen mit Svenja und ihrer Freundin Sara, die für einige Wochen auf Besuch ist, am schönen Platz Amano-hashidate (天橋立), dessen Übersetzung eben Himmelsbrücke ist. Die Himmelsbrücke ist eine natürliche (beinahe durchgehende) geschwungene Landverbindung zwischen zwei Seiten einer Bucht und ist eine der offiziellen drei schönsten Aussichten Japans.
Sie befindet sich praktisch gegenüberliegend von Kobe an der Nordküste Honshus und ist bequem per Zug zu erreichen. Während der Fahrt bekommt man auch das Land zu sehen (Land im Gegensatz zu Stadt), wobei ich mittels Photos beweisen kann, was viele Leute oft nicht glauben wollen: Japan hat sehr viele fast menschenleere Flächen und ist keineswegs durchwegs urban. Wenn man mit dem Zug (in erster Linie Shinkansen) fährt, kann man das sehr gut beobachten: Riesiges Stadtgebiet, dann gar nichts, nur Wald, zwischendurch ein paar Dörfer und Felder, dann wieder riesiger Stadtmoloch und so weiter.
Aufgrund der Geographie und des Geländes (sehr hügelig) leben die meisten der knapp 127 Millionen Einwohner Japans in einigen riesigen Ballungsgebieten und mehreren Millionenstädten, während zwischendurch das Land über weite Strecken fast menschenleer wirkt.






Zurück zur Brücke. Wir hatten ein wenig Pech mit dem wetter, am Anfang kam die Sonne zwar durch, danach wurde es aber bewölkt und es fing zu nieseln an, wodurch die natürliche Schönheit leider kaum zur Geltung gekommen ist.

Hier einmal eine schematische Darstellung der Landzunge




Die Landzunge ist überwiegend mit Föhren (=Kiefern) bewachsen und hat vor allem zur offenen Seite des japanischen Meeres hin einen schönen Strand, welcher im Sommer massenhaft Touristen anzieht. Obwohl die Brücke eine Riesentouristenattraktion ist (vor allem für Japaner), ist der Weg für die Bewohner der Stadt, die anders heißt, ein ganz normaler Pendlerweg auf dem die z.B. die Schüler täglich unterwegs sind. Natürlich ist zwecks der Erhaltung der Natur das Befahren durch Autos verboten, und auch durch Sperren unmöglich (ausgenommen Fahrzeuge der Pflegetrupps).

Ein paar Eindrücke des Übergangs (auf den Bergen in der Nähe lag übrigens noch Schnee)








Die Reisenden




Angeblich hat man den schönsten Blick, wenn man sich zum einige Kilometer entfernten, auf einem Hügel gelegenen Platz, ich glaube in einem Park, begibt, sich dort mit dem Rücken zur Brücke auf eine Bank stellt und sich dann vorbeugt und die Brücke zwischen seinen Beinen hindurch betrachtet. Durch das Wasser etc. soll das dann wirken als würde die Brücke wirklich zwischen Himmerl und Erde schweben. Da wir das aber im Vorhinein nicht gewußt haben, es kein schöner Tag und der Park auch noch weiter weg war, kann ich das leider nicht bestätigen.

Es gibt auch ein berühmtes Ukiyo-e Bild davon. Übrigens hab ich mich kurz eingelesen, und weiß jetzt, daß der Fachausdruck für eine Erscheinung wie Amano Hashidate, Nehrung ist.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Zu den drei schönsten Aussichten Japans gehören neben Amano-Hashidate die 249 Föhreninseln von Matsushima und die heilige Insel Miyajima mit dem berühmten im Wasser stehenden Torii (normal japanisches "Tor" zu einem Shinto-schrein), nahe Hiroshima. Die Aufstellung dieser drei Aussichten geht zurück auf den Autor Hayashi Razan, der sie im Jahr 1643 geschrieben haben soll, womit es keine moderne Auflistung ist und eine lange Tradition hat. Wie in einem anderen Bericht bereits erwähnt, gibt es noch viele andere Listen für die drei schönsten Gärten, die drei schönsten/ältesten Onsen etc., aber die drei schönsten Aussichten sind nach wie vor die wichtigste Auflistung. Dementsprechend versuchen viele Japaner diese drei zumindest einmal im Leben in Natura bewundert zu haben.

Donnerstag, 6. März 2008

In Weißer Strand

Weißer Strand ist die Übersetzung von Shirahama (白浜), der Ortschaft, in der ich letzte Woche 2 Tage verbracht habe.


Aber vorher: Mir ist heute erst aufgefallen, daß Blogger beim gestrigen Eintrag den letzten Absatz "verschluckt" hat, was mich nicht wundert, da gestern die Google Anwendungen (Mail, Blogger, Picasa) alle bei mir Probleme gehabt haben. Entschuldigt bitte, es ist repariert, und die Kolumne vom letzten Eintrag jetzt auch zu lesen.

Fahren wir fort.


Eine Warnung vorweg: Heute sind wieder viele Photos eingebunden.
Shirahama liegt in der Präfektur Wakayama im Süden der Kansai-Region, im Südosten der Osaka-Bucht und ich war damit fast an der Südspitze der Hauptinsel Honshu. Shirahama ist auch für Japaner ein sehr beliebter Ausflugsort, in erster Linie wegen des namesgebendem weißen Sandstrands, weswegen sich der Ort von Ende Juli bis Ende August (die Zeit in der Japaner im Meer schwimmen gehen) sich vor Touristen kaum retten kann. Übernachtet habe ich in einem Ryokan, komplett mit einem kleinem Garten und Koi, welches von einem netten alten Ehepaar betrieben wurde. Bis zum Abend habe ich keinen einzigen anderen Ausländer in der ganzen Stadt gesehen, dann erst sind ins Ryokan zwei Italienerinnen und ein Amerikaner gekommen. Wir waren die einzigen Gäste und ich würde mal wagen zu behaupten, die einzigen Ausländer weit und breit.

Ein Photo eines aufgelegten Futons, sowie des Ehepaars (der Großvater sprach auch wirklich gutes Englisch) und meiner "Mitbewohner".








Hier ein paar Eindrücke des Strandes, und des Daimyos während er sinnierend auf das Meer starrt ...








Lustiges Detail: Der weiße Sand wurde eigentlich schon vor langer Zeit fast aller weggeschwemmt, weswegen die Japaner weißen Sand aus Australien importiert haben. Warum Australien? Weil der Sand von dort genau wie der originale aussieht.

Andere berühmte Plätze sind die Vollmondinsel (engetsutou 円月島), so genannt wegen des kreisrunden Lochs in der Mitte.




Die Klippe der Tatami-matten, weil es so aussieht als wären unzählige Tatami-Matte übereinander gelegt (allerdings befürchte ich, man muß schon mal in Japan gewesen sein, um das zu erkennen).




Die Drei-Stufen-Wand/Klippe, Sandanpeki. Zieht sich recht lang dahin, wünderschön anzusehen, besonders am Abend und man kann auch ein wenig herumklettern.






Sakino-yu Onsen. Ein Freiluft-onsen dessen Wasser in einem natürlichen Steinbecken ist, und der direkt am Meer liegt. Und mit direkt am Meer meine ich, daß einem große Wellen, Meerwasser ins Gesicht spritzen können. Im Sommer (Ende Februar war's dafür zu kalt) kann man direkt die paar Meter zum Meer steigen und sich dort im Wasser abkühlen. Doch Vorsicht, Männer! Die Spechtler von der Damen-Seite schauen nur zu gern einem nackten männlichen Gaijin dabei zu.
Benützungsgebühr des Onsen: 1,80 Euro
Da ich keine Photo habe, verwende ich das Bild aus der Wikipedia, aber in Wirklichkeit ist er schöner, vor allem bei Sonne.


Photo im Besitz von BUJDOSÓ Attila


Da Shirahama ein Onsen-Resort ist, gibt es auch über die Stadt verteilt besonders viele Fußbäder. Das sind kleine Becken mit Thermalwasser gefüllt, in denen jeder mal kurz seine schmerzenden Füße halten kann, natürlich gratis.

Was mir beim Sonnenuntergang aufgefallen ist, ist das die Sonne nicht im Meer versinkt, sondern hinter dem, ca. 100 km entfernten, Shikoku.




Meine Gesamteindruck von Shirahama wird wunderbar in diesem Photo zusammengefaßt.





Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Der Sagino-yu Onsen ist eine der Top 3 heißen Quellen in Japan (eigentlich gleich zweimal: der drei großen und der drei alten) und ist vor allem wegen seines Alters berühmt. Angeblich wurde Shirahama und der Onsen bereits in einer der ältesten noch erhaltenen japanischen Texten erwähnt, und er wäre somit seit ca. 1300 Jahren in Benutzung. Auch brüstet sich die Stadt damit, daß angeblich mehrere große, berühmte Kaiser, einige bereits in der Heian-Zeit (781–1198), hier gebadet haben. Das Wasser, daß im Onsen verwendet wird, ist in den oberen Becken dermaßen heiß, daß im Becken, heute mittels eines einfachen Gartenschlauchs, kaltes Wasser hinzugefügt wird, da man sich sonst verbrüht.
Doch wer es aushält, kann sich auch direkt unter den heißen Zufluß setzen.

Mittwoch, 5. März 2008

Dies und Das

Es gab jetzt länger keinen neuen Eintrag, aber der Grund dafür wird in den nächsten Berichten klar werden.

Wie in Gesprächen normal, fangen wir damit an, über's Wetter zu reden.
Im Moment ist das in Kobe verrückt, Aprilwetter beschreibt es am besten. Ein Beispiel: Letzte Woche ist an einem Tag in der Früh ein heftiger Wind gegangen, es waren schon Ausmaße eines leichten Sturms. Während des Tages hat er dann aufgehört und es war sehr warm, bis zu 10-12 Grad im Schatten, richtiger Frühling eben, während es in der Nacht abgekühlt und zum Schneien begonnen hat, und zwar so stark, daß sogar mehrere Zentimeter Schnee auf den Bäumen etc. lagen und der Schnee auch in der Früh noch da war.
Macht übrigens ein wunderschönes Bild: Mehrere Zentimeter Schnee auf grünen Laubbäumen und Sträuchern.






In Harborland haben sich die Firmen eine nette Idee zu den olympischen Spielen in Beijing (Peking) einfallen lassen. Sie haben lebensgroße Figuren aufgestellt, die mitten in der Ausführung der traditionellen olympischen Disziplinen sind, allerdings stellen die Figuren berühmte Persönlichkeiten aus der Zeit der drei Reiche in China (ca. 3.Jahrh. a.D.) dar. So nach dem Motto: Wie hätte es ausgesehen, wenn die Chinesen die olympischen Spiele erfunden hätten? (Und wie hätten sie sie genannt ...) Komplettiert wird das Ganze durch Erklärungen über die ursprünglichen Sportarten und die Persönlichkeiten.










Beim Zugfahren habe ich auch eine Werbung für Fanz Lehars Operette "Die lustige Witwe gesehen", daß ich überrascht war ist gelinde ausgedrückt. Leider habe kein Photo davon ...

Lustige Anektode: Die zwei Deutschen und ich waren eines Abends in der Stadt zum Abendessen, und als wir durch die Straßen gingen, wurden wir von einem Koreaner angesprochen, ob wir nicht einen guten Klub in der Nähe wüßten. Man stelle sich vor: Man ist in einer fremden Stadt, will nach einer Wegbeschreibung fragen, und spricht mit Absicht genau die Personen an, die als einzige ganz offentsichtlich nicht aus der Stadt, ja nicht einmal aus dem Land kommen! Und doch ist es verständlich, da es ein Koreaner war und wir auf englisch angesprochen wurden, denn anscheinend konnte keiner von der Gruppe japanisch und so haben sie sich an jene gewandt, die am ehesten englisch sprechen können.


Der folgende Absatz ist wieder einmal nur etwas für Spieler ("Gamer"), die anderen Leser können gleich weiter zur Kolumne gehen.

In Osaka habe ich letztens Nipponbashi, auch Den Den Town (Elektrisch Elektrisch Stadt) genannt besucht. Was Akihabara für Tokyo, ist Den Den für Osaka: Ein Himmel für Otaku, Spieler und alle Technik- und Elektronikverliebten. Hervorheben möchte ich dabei meine Einkehr in zwei Retro-Läden, in denen Computerspiele, Hefte etc. aus alten Zeiten zu Verkauf stehen, die bei uns pratisch unmöglich zu finden sind. Es gab fast alles von Playstation, Dreamcast, Neo Geo, Super Nintendo, Nintendo, Master System und und und, bis hin zu alten Spielen aus der Arcade-Zeit der 80er, und alles, zwar gebraucht, aber im Original und Top-Zustand!


Hier ein Photo von eine der SNES Abteilungen:




Final Fantasy SNES Parade




Seiken Densetsu 3 (Secret of Mana 2, außerhalb Japans nie erschienen)




Und ein kleiner(!) Auschnitt aus der NES (in Japan Famicon - Family Computer) Spiele-Abteilung




Nachteil: Alle Spiele natürlich nur auf Japanisch
Vorteil: Man kann seltene Juwelen finden und alles wirklich spottbillig!
Ernsthaft, Spiele die auf englisch oder deutsch bei E-bay bis zu mehrere hundert Euro erzielen, gibt es hier für ein paar Euro, z.B: Dreamcast Grandia 2: 1,80 € Shenmue: 8 Euro



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Eine weitere Runde Leserfragen:

Was machen Japaner in ihrer (spärlichen) Freizeit?
Schwer zu beantworten, ich werde an dieser Stelle die Sportklubs der Schüler und Studenten und das gemeinsame Weggehen zum Trinken nach der Arbeit der Geschäftsleute NICHT als Freizeit betrachten. Dann machen sie eigentlich das, was auch Europäer machen: In erster Linie sich mit Freunden treffen, einkaufen gehen und Computerspiele spielen. Und je nach Jahreszeit gehen sie zu den traditionellen Festen, z.B: Feuerwerke im Sommer.

Sind die Dinge in Japan wirklich alle viel teurer?
Nein, es ist nur anders aufgeteilt. Luxusartikel und Essen sind sogar um einiges billiger als zu Hause, dafür sind Dinge des täglichen Lebens, vor allem wenn man Familie hat, um einiges teurer. Der Autor persönlich lebt in Japan billiger als zu Hause, da er keine Familie hat und er viele dieser Dinge nicht benötigt, und da der Euro im Moment sehr stark ist.
Das Klisché des übermäßig teuren Japans kommt daher, da man fast nur Tokyo (im Fernsehen etc.) zu Gesicht bekommt, und in Hauptstädten v.a. in den inneren Städten ist das Leben immer teurer. Japan hat auch nur 5% MwSt.

Dazu passend: Wie ist es mit dem Preis von Gewand (Kleidung Anm.) in Japan?
Gewand ist leider im Schnitt teurer, dafür kann man bei modischen Dingen auch einige Schnäppchen ergattern (wenn man seine Größe findet), aber Vorsicht: Wenn man sich vergreift, kann man schnell einen Herzinfarkt beim Blick auf das Preisschild bekommen. Schuhe sind, besondern im Ausverkauf, oft um einiges billiger. Apropos Ausverkauf: Es gibt das ganze Jahr über Sachen im Angebot, sie sind nicht so sehr -schlußverkaufsabhängig.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Das Übliche

Ein weiteres Mal keine großen Neuigkeiten.

Einmal mehr war ich am Samstag bei meiner Gastfamilie zu Gast (oh, cleveres Wortspiel), und am Montag auf einer kleinen Party unter Freunden eingeladen. Mit in Japan üblichem gemeinsamen Kochen, Essen und Trinken und auch anschließendem Besuch einer Karaoke-bar, welche in diesem Land wirklich überall sind.
Für Leute, die noch nicht den Film "Lost in Translation" mit Bill Murray gesehen haben, Karaoke in Japan ist nicht so wie bei uns zu Hause. In Österreich (bzw. Europa) gibt es ja kaum richtige Karaoke-bars und somit fast nur "Karaoke-Nights" in Klubs, wo man vor dem gesamten Publikum singen muß. Bei richtigem Karaoke geht man aber nur mit seinen Freunden in einen abgetrennten Raum mit Anlage, und man hört sich nur untereinander, also muß man sich nicht vor Fremden zum Affen machen (ausgenommen natürlich, wenn es im Anschluß an ein Geschäftstreffen ist).






Natürlich war ja auch letzte Woche der verfluchte Valentinstag. Für alle jene, denen es entgangen sein sollte: ICH HASSE DIESEN TAG! Ein vom Kommerz künstlich erzeugter Feiertag an dem man alles kaufen muß, um nur ja seine Liebe zu beweisen ... Mal ehrlich, wenn ich tatsächlich einen erfundenen, wahllos rausgenommenen Tag im Jahr benötige, um meiner Liebsten zu zeigen, was sie mir bedeutet, na dann Gute Nacht, dann hab ich sie gar nicht verdient.
Warum müssen eigentlich vor allem immer die Männer irgendetwas Extravagantes machen und einen Haufen Geld zum Fenster rauswerfen? Und warum müssen wir Kerle versuchen uns immer zu Überbieten in den Dingen die wir unseren Frauen kaufen, sind wir so auf Wettkampf aus? Und warum müssen Frauen, die auch nichts mit dem Blödsinn zu tun haben wollen, sich von ihren Freundinnen erzählen lassen müssen, was für großartige Sachen diese bekommen haben und dann auch noch gefragt werden ob ihr Freund sie nicht denn nicht wirklich liebt, weil er ihr nichts schenkt?
Und das Beste an der ganzen Sache: Dieser "Feiertag" ist nicht einmal frei! Ein Bekannter hat einen treffenden Artikel darüber verfaßt, mit dem er mir so richtig aus der Seele spricht (leider nur auf englisch).

In Japan hat sich für Valentinstag eigentlich nur ein Brauch eingebürgert: Die Mädchen schenken den Jungs Schokolade. Einige Pärchen machen zwar auch spezielle Sachen, aber das ist eher selten und trifft nur auf frischverliebte zu. Mir gefällt das, es ist nicht sehr aufwendig und als Mann muß man nichts machen. Außerdem ist hier, obwohl Japan an sich auf kitschige Sachen steht, sehr wenig Dekoration und ähnliches zu diesem Tag vorhanden, aber bei dem eingeschränkten Brauch auch verständlich.

Und ich werde nicht sagen, ob ich am Donnerstag Schokolade bekommen habe.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:


Heute behandeln wir Leserfragen:


Wohin/ wie oft fahren Japaner auf urlaub?

Familien machen meist 1 Tages Ausflüge und bleiben natürlich in Japan, wobei diese Ausflüge an den traditionellen Feiertagen stattfinden. Der Großteil der Japaner verreist in der sogenannten "goldenen Woche" im April, wenn mehrere Feiertage in eine Woche fallen und viele Firmen die ganze woche freigeben. Fast immer sind innerjapanische Destinationen die Ziele, im Ausland vor allem Korea und die größeren Südostasiatischen Ländern (Thailand, Malaysien etc.) bzw. wegen der kulturellen Aspekte Europa.


Warum ist Wien/ Salzburg für Japaner so interessant (den Eindruck hat man)?

Wien und Salzburg sind mit ihren Bauten aus der Kaiserzeit, genau wie Berlin und die Pariser Altstadt bzw. Versailles, für Japaner DER Inbegriff für europäische Kultur. Diese Bauten und die Museen mit den Exponaten aus dem Mittelalter, Rennaissance etc. entsprechen ihrer Vorstellung von (dem alten) Europa. Dazu ist Salzburg natürlich Geburtsstadt von Mozart (einige der wenigen Persönlichkeiten Europas welche fast alle kennen) und Wien stellt als Kaiserstadt und mit den dazugehörigen Symbolen einen gewissen Wiedererkennungswert dar, nach dem Motto: Ja, einen Kaiser haben wir auch.


Warum tragen so viele Japaner Mundschutz, haben sie wirklich soviel Angst vor Keimen (à la Michael Jackson)?

Bei einigen trifft das wohl zu bzw. hängen sie's deswegen manchmal den Kindern um, aber bei der Frage wird die japanische Höflichkeit vergessen. Die meisten tragen den Mundschutz nicht wenn sie gesund sind und sich schützen wollen, sondern wenn sie krank sind, denn sie versuchen damit eine Verbreitung der Viren zu verhindern, und natürlich niemanden anstecken (Ich glaube, das war auch der ursprüngliche Gedanke von M. Jackson, er wollte seine Kinder nicht anstecken. Doch die kulturunbedarften Amis haben das natürlich als weitere Verrücktheit ausgelegt).


Wieviel Trinkgeld ist in Japan angebracht, wieviel geben die Leute so?

Gar keines. In Japan gibt es kein Trinkgeld, da es, in erster Linie von den Inhabern der Lokale, als selbstverständlich angesehen wird, guten Service zu bieten. Im Gegenteil, es kann als unhöflich aufgefaßt werden, da man damit zum Ausdruck bringen könnte, daß man sich hier guten Service nicht erwartet hätte und es einen überrascht hat (Ausländer werden solche Faux-pas aber klarerweise verziehen). Wenn man sich erkenntlich zeigen will, kann man eine gewisse Floskel sprechen "Es war ein Festmahl", und/oder beim Verlassen ein paarmal Danke sagen oder das Beste: Man kommt einfach wieder! (und bringt vielleicht noch jemanden mit)


Das wär's für diese Ausgabe.
Es sind zwar noch einige unbeantwortete Leserfragen übrig, dennoch bitte ich um weitere Zusendungen an die bekannte Adresse: manuel.leitgeb@gmail.com



Und da es heute fast keine Photos gab: Letztens gegessen, in Streifen geschnittener Tintenfisch und
Affenhirn.









Nein, ist natürlich kein Affenhirn, aber ein kleiner Schreck (aus Ekel) für manche Leser muß schon sein (nicht böse sein;)

Mittwoch, 13. Februar 2008

Allerlei

In nächster Zeit wird es wohl nicht mehr bei den wöchentlichen Einträgen bleiben, da aufgrund der Ferien etc. die Anzahl der berichtenswerten Ereignisse stark nachläßt. Auch werde ich aus diesem Blog NICHT ein einfaches Tagebuch mit oberflächlichen Tratsch-geschichten machen!


Schneesturm

Diese Woche ging über Kobe, sogar über Port Island, ein richtiger Schneesturm nieder, das ist keine Übertreibung denn die Sicht war extrem eingeschränkt. Das Wetter könnte man als "April-Wetter" bezeichnen, denn im Moment spielt es verrückt. Einen Tag nach dem heftigen Schneefall (der insgesamt einige Stunden angedauert hat), hatte es wieder 8 Grad plus im Schatten und schönstes Frühlingswetter. Im Moment wechselt sich sehr warme mit kühlen Tagen ab, und es flankerlt häufig, auch auf Seehöhe.


Aufgrund einer Anfrage, hier zur Erklärung: Der Seiza, den ich letztes Mal erwähnt habe, ist der traditionelle Sitz, vor allem für würdevolle Anlässe, in Japan, wobei man die Beine unter den Körper nimmt, und dann praktisch auf den Unterschenkeln sitzt. Dementsprechend ist er in den Budo-disziplinen (z.B: Karate, Kendo etc.) in einem Dojo unerläßlich und alltäglich.









Die Bilder sind Eigentum der jeweiligen Webseiten und ihrer Betreiber bzw. Besitzer


Wie man sich vorstellen kann, ist dies für den Ungeübten sehr schmerzhaft (probiert's mal aus), aber schlimmer wird es wenn der Schmerz nachläßt. Denn dann werden die Füße taub, was schwere Probleme beim Aufstehen bringen kann und es kann ein paar Minuten dauern, bis man steht. Ich hab mal einen Bekannten erlebt, welcher nach längerem Sitzen selbstsicher aufstehen wollte und dann nach der Länge hin auf den Boden gekracht ist, weil die Füße kein Gefühl mehr hatten und ihn nicht tragen konnten (war aber lustig, für sein etwas arrogantes Benehmen hatte er es verdient).
Die Damen halten im Seiza die Knie geschlossen, während die Herren sie leicht öffnen. Ein Vorteil dieses Sitzes ist, daß man im Gegensatz zum Schneidersitz etc, sich sehr viel leichter vorlehnen kann, was für Gespräche und beim Essen sehr hilfreich ist.
Die Kanji (正座) bedeuten übrigens "korrekter, richtiger Sitz", der Seiza ist also die richtige Art zu sitzen.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Da der Autor zur Zeit nicht für die Kolumne schreiben kann fällt diese heute aus.

Daher etwas Neues: Ich habe mir überlegt an dieser Stelle einmal Fragen von den Lesern zu beantworten. Also, wenn es eine Frage gibt oder Sie/ihr etwas Bestimmtes über Japan oder das Leben hier wissen wollt, schreibt mir ein E-Mail an manuel.leitgeb@gmail.com und ich werde es während der nächsten Einträge besprechen.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Wiedersehen

Zu Beginn etwas Persönliches:
Am Wochenende ist leider ein Bekannter von mir aus meiner Gemeinde verunglückt.
Im September haben wir noch gemeinsam mit anderen Freunden am Uhudler-Kellerviertelfest gefeiert. Für jene die dabei waren: Am Webalbum sind die Photos davon, auf einigen ist er auch zu sehen.

Mach's gut Dani, wo immer du jetzt auch bist ...



In Japan ist nicht viel Neues passiert, außer das jetzt die letzte Prüfungswoche an der Uni am Laufen ist.

Am Freitag habe ich mich mit Katrina, einer Freundin aus Malaysien getroffen, die in meiner Gruppe während des Sommerkurses an der Uni war (ja, es ist mir klar, daß ich noch immer nicht den Bericht über meinen 3-wöchigen Aufenthalt im Sommer in Kobe abgeliefert habe, danke). Leider war sie nur einige Tage in Kobe und ist bereits am Samstag wieder abgereist, sodaß wir nur ein paar Stunden zusammen verbringen konnten. Wir sind mit einem gemeinsamen Freund in das altbekannte Sushi Etablissement gegangen (sie war auch mit David und mir im Sommer dort) und haben uns anschließend noch ein paar Stunden unterhalten.
Es war schön mal wieder jemanden aus dem Sommerkurs zu sehen, ist das wirklich schon ein halbes Jahr her?








Weiters wurde ich von einer Freundin am Samstag zum Nabe oder Nabemono-Essen in kleiner Runde eingeladen. "Nabe" bedeutet an sich nur "Topf" bzw. "Kochtopf" sowie "Mono" einfach "Ding". Es bezeichnet nur, das man mit mittels Kochtopf verschiedene Dinge, je nach Lust und Laune, kocht, daher gibt es auch viele verschiedene Nabegerichte und Bezeichnungen, da man ja praktisch fast alles reinschmeissen kann. Heutzutage wird es meist mit einem kleinen Topf auf einem Gaskocher zubereitet, in den Wasser und Gewürze getan werden und dann je nach Geschmack Fleisch, Fisch, Gemüse etc. gekocht wird. Wichtig ist dabei für Japaner vor allem das gemeinsame Essen aus einem Topf und das Sitzen um den Kochtopf, da sie der Meinung sind, daß dies eine engere Freundschaft bewirkt (so wurde es mir jedenfalls erklärt). Frei nach der österreichischen Redensart "Beim Essen kumman d'Leut zamm."
Dazu wird man ja auch meistens zu jemandem nach Hause eingeladen, was an sich schon ein großes Zeichen von Freundschaft ist (siehe einen meiner früheren Einträge).








Nachspeise




Das spezielle am Samstag war, daß die Eingeladenen alles Leute waren, die Deutsch lernen und schon mal an der Grazer Uni gewesen sind, oder an die Uni wollen, bzw. 2 Leute die gerade erst mit Deutsch angefangen haben. Trotzdem wurde den ganzen Abend nur Japanisch gesprochen und Graz eigentlich gar nicht erwähnt (ich wurde somit nicht als Lehrer mißbraucht).
Doch das Sitzen im japanischen Sitz (Seiza) ist immer noch sehr schmerzhaft.

Dennoch habe ich es mir nicht nehmen lassen, ihnen guten burgenländischen Wein zu präsentieren. Ich habe nämlich, dank eines Tips von Trummer-sensei, hier in Kobe ein Geschäft gefunden, welches sich auf den Import von österreichischem Wein spezialisiert hat, und da der Gründer und Inhaber ein Burgenländer ist, ergibt sich der Rest von selbst.
Obwohl es ein trockener Blaufränkisch war, hat er ihnen sehr gut geschmeckt und inzwischen haben auch die Deutschen aus meinem Heim Interesse an der Verkostung guten burgenländischen Weines angemeldet. Das wird dann aber wohl ein Eiswein werden.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

In der vergangenen Woche (3. bzw. 4.Feber) wurde in Japan das Setsubun (節分) gefeiert. Ursprünglich eine Feier zu jedem Wechsel der Jahreszeit, wird es inzwischen in dieser Form nur mehr zum Frühlingsbeginn, nach traditionellem japanischen Kalendar (vom chinesischen stammend), durchgeführt. In erster Linie werden Rituale veranstaltet, um die Oni (eine Dämonenart) zu vertreiben bzw. fern zu halten (vergleichbar mit dem Austreiben böser Geister im Winter in unseren Regionen). Die häufigste Variante, vor allem im privaten Bereich, ist dabei das Verstreuen, bzw. Werfen von Sojabohnen (genannt Mame-maki) auf als Oni verkleidete Leute oder in bestimmte Richtungen im Haus, begleitet vom Aufsagen eines Bannspruches.
Es gibt, vor allem in den buddhistischen Tempeln und shintoistischen Schreinen, noch viele andere Bräuche, welche auch von Region zu Region unterschiedlich sind. In der Kansai-Region ist es ein Brauch eine ungeschnittene Maki-Sushi Rolle zu essen, allerdings hat sich dieser Brauch inzwischen anscheinend auf ganz Japan ausgebreitet. Das Setsubun ist aber kein nationaler Feiertag, und somit ein ganz normaler Arbeitstag.

Randnotiz: Morgen, am 7. Feber, ist heuer Neujahr nach chinesischem Kalendar, welches, wie zum Beispiel Ostern, jedes Jahr an einem anderen Tag stattfindet. Damit beginnt auch das bekannte, ca. 2 Wochen dauernde Frühlingsfest, der Chinesen.

Freitag, 1. Februar 2008

Hoher Besuch und Tanzen

Wieder nichts am Mittwoch, aber ich denke, Server-probleme fallen eher in den Bereich von Murphy's Gesetz als das man es mir anlasten könnte.
Donnerstag und Freitag war ich jeweils den ganzen Tag nicht zu Hause, weswegen sich das Update eben auf Freitag Abend verschoben hat.

Zuerst Werbung in fremder Sache: Ich habe von zu Hause ein Paket mit Mehlspeise für meine Gastfamilie bekommen. Diese stammt von der Mehlspeis & Kaffe stub'n "Aloisia" aus Badersdorf (im SO des Bezirks Oberwart im Burgenland) und ist sehr empfehlenswert.


Jetzt aber wieder zurück zu unser eigentlichen Show.
Am Wochenende hatte ich die Ehre, Fürst Takaki Meiyuu (高貴 明勇), seines Zeichens Daimyo der östlichen Provinzen bei mir zu empfangen. Seine Durchlaucht hat beschlossen auf seiner Reise durch die Kansai-Region mir, als Daimyo der Provinzendes mittleren Westens, die Ehre zu erweisen, mir auf meinem Verwaltungssitz einen Besuch abzustatten (er besuchte auch meinen eigentlichen Hauptsitz, Burg Himeji, doch ist diese für mich zu unpraktisch für die tägliche Arbeit). Die meisten werden Ihn allerdings unter seinem europäisierten Namen, Helmut Hödl, kennen.

Ich habe ihn zum Abendessen in das Ryukyu/Okinawa Restaurant geführt, und dieses Mal auch die Kamera mitgenommen. Er hat mich erzählt was es Neues in Tokyo gibt, mußte aber leider schon am nächsten Tag wieder nach Nara aufbrechen. Helmut wird übrigens am 7. Februar nach 1 1/2 Jahren Studium in Japan nach Hause zurückkehren. Da warens nur noch 2 Studenten aus Graz in Japan ...








Vor einiger Zeit war es wirklich einmal eine Woche lang richtig kalt, sodaß es auf den Hügeln sogar geschnieben hat.




Da die Uni eben auf halber Höhe liegt, hat es einige Tage gegeben an denen ich an der Uni war und es plötzlich zum Schneien angefangen hat (ich wollte es zuerst gar nicht glauben), was mich aber sehr gefreut hat. Von den Reaktionen anderer Leute, zum Beispiel von einer Amerikanerin, die noch nie Schneefall erlebt hat, gar nicht zu reden.
Die richtige Kälte in Kobe war wirklich schön, vor allem da es zu Hause für Jänner ja wieder unnatürlich warm ist (aber nein, Klimawandel ist ja kompletter Blödsinn), allerdings ist es inzwischen auch in Kobe wieder wärmer geworden.


Letzte Woche wurde ich auch von einer Bekannten zum Besuch einer Trainigseinheit des Tanzklubs der Uni eingeladen, da wir während eines Gesprächs auf das Thema Tänze gekommen sind und der Klub Balltänze einübt (Rumba, Walzer, Chachacha, Lateinamerikanisch etc.). Interessant ist anzumerken, daß, obwohl es sich um Balltänze handelt, welche ja auch in unseren Breiten oft als veraltet angesehen werden, der Klub über hundert Mitglieder zählt. Wobei wirklich ca. die Hälfte Männer sind, anders als bei uns, wo es oft einen starken Überhang von Frauen in Tanzkursen etc. gibt. Wie alle Universitätsklubs wird auch in diesem extrem ernst an die Sache herangegangen, mit minutenlangen Üben der Grundhaltung, Muskelaufbauübungen etc. Man kann die Anstrengung und Konzentration an den Gesichtern ablesen, und obwohl die Fortgeschrittenen sehr gut tanzen können, und technisch einiges draufhaben, hatte ich persönlich das Gefühl, daß die Leidenschaft und Emotionen irgendwie fehlen, bzw. da sie Japaner sind, diese nicht gut ausgedrückt werden. Vor allem bei Tänzen aus Lateinamerika (Tango!)

Hier ein paar Eindrücke:






Hier wird im Hintergrund einfach nur "1,2,3" gezählt, allerdings wie in Japan üblich, von allen und sehr laut.






Das war's auch schon, nach den extrem langen letzten Einträgen, die diese Länge wegen des Nachholbedarfs hatten, werde ich jetzt wieder auf kürzere zurückgehen.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Freizeitklubs an japanischen Universitäten, ob im Bereich Sport, Kunst oder Kultur, sind eine ernste Angelegenheit und ihre Mitglieder kann man ohne Übertreibung als halbprofessionell bezeichen. Die Klubs trainieren 2-4 Mal pro Woche mehrere Stunden lang, und nehmen in der Regel nur Personen auf, die schon einige Jahre Erfahrung (durch Klubs in Schulen) im jeweiligen Bereich haben, somit kann man als Anfänger praktisch nicht beitreten. Natürlich treten die KLubs in Wettbewerben gegen andere Universitäten an, wobei es als große Ehre empfunden wird, zur Wettkampfmannschaft zu gehören.
Die "leichtere" Variante der Klubs sind die sogenannten "Circles" (engl.= Kreise), diesen können auch Anfänger beitreten, dennoch trainieren auch sie oft mehrmals die Woche, und was schwerer wiegt, decken sie bei weitem nicht das vielfältige Spektrum an Disziplinen wie die Klubs ab. Die Klubs scheinen oftmals für Studenten (vor allem für auswärtige) die Familie zu ersetzen und für viele sind sie mindestens gleich wichtig, für einige sogar wichtiger, wie ihr Studium.
Hier bewahrheitet sich wohl wieder die Meinung, daß Japaner, wenn sie eine Sache beginnen, diese bis zum Extrem betreiben und sie mit nahezu verbissenem Ehrgeiz bestreiten. Daher sollte man auch vorsichtig sein, wenn man Japanern seine Hobbys mitteilt, denn diese können sehr schnell im Sinne der japanischen verstanden werden, und es kommt zur Annahme, daß man den Status der Halb professionaliät hat. Man sollte dann klarmachen, daß die Hobbys rein nur zum Spaß und bei weitem nicht so oft ausgeübt werden.