Sonntag, 23. Dezember 2007

Schande und Feste

Ja, Schande über mich, ich habe ein Update verpaßt. Als Wiedergutmachung wird es über die Weihnachtsferien mehr als üblich geben, obwohl eines schon vorweg: Die Ferien sind hier kürzer als zu Hause, so habe ich beispielsweise am 25.12. noch einen Kurs an der Uni, denn offiziell schließt die Uni erst am 28.12. Aber davon nach Heilig Abend mehr.

Nun denn. Am Samstag vor einer Woche war ich am sogenannten "Luminarie"-Fest in Kobe, das Wort kommt vom italienischen "illuminari" und es ist, wie der Name schon sagt, ein Lichterfest. Hierbei wird ein Straßenzug mit unzähligen bunten (elektr.) Lampen geschmückt, die zwar ein wenig kitschig aussehen, aber dennoch ist das Ganze sehr schön. Am Ende wartet dann noch ein Art erleuchteter kleiner Pavillion. Aus den Lautsprechern entlang der Straße klingt Barock- und Kirchenmusik, was dem ganzen eine wiklich schöne Note (wortwörtlich) verleiht. Leider sind auch die üblichen Durchsagen omnipräsent ("Vorsicht, laufen sie nicht in jemanden hinein," etc.), diese wirken doch sehr störend.
Das Fest selbst ist eine Besonderheit von Kobe, und es gibt es erst seit 1995, als Gedenken an das große Hanshin-Erdbeben vom 17. Jänner 1995, welches Kobe am härtesten traf. Meines Wissens nach wurden die Lichter von der italienischen Regierung als Geschenk überreicht, und da sie angeblich handbemalt sind, haben sie auch einen hohen künstlerischen Wert. Die Lichter werden über einen Zeitraum von zwei Wochen jeweils am Abend für einige Stunden erleuchtet, und wie so oft begeben sich Menschenmassen dorthin: Obwohl einige Straßenzüge gesperrt sind, benötigt man ca. 1 1/2 Stunden bis man die Lichter endlich sieht, das ganze hat (wieder mal) Volksfest-charakter.







Mehr Photos wie üblich im Album

Zum Erdbeben selbst: Hier nur einige Randfakten, da es auf Wikipedia sehr gut beschrieben wird. Es traf Kobe in den Morgenstunden des 17. Jänners (um ca. 5.46 Uhr) und gilt als größte Katastrophe, welche die Stadt je heimgesucht hat. Es sind zwar "nur" etwas mehr als 6000 Menschen ums Leben gekommen, aber der infrastrukturelle Schaden in der Stadt und den Wohngebieten war immens. Zudem hat die Regierung in Tokyo das Katastrophenmanagement komplett verschlafen (vergleichbar mit der US-Regierung als New Orleans überflutet wurde). Große Teile der Stadt und des Hafens wurden so sehr zerstört, daß weite Teile komplett neu aufgebaut werden mußten, und mit dem Erdbeben verlor Kobe auch endgültig seinen Rang als wichtigster Nicht-Erdöl Hafen an Yokohama. Bis heute ist die Erinnerung sehr stark, an der Uni habe ich als Auslandsstudent bereits drei Vorträge über das Erdbeben gehört. Es war aber auch ein beispielloses Ereignis in Puncto Hilfe und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg und von Selbstorganisation, da die Regierunsstellen versagten (sogar die in Kobe ansäßige Yamaguchi-gumi Yakuza hat ohne etwas zu erwarten geholfen).

Sollte jemand genaueres darüber wissen wollen, und nicht ganz auf Wikipedia etc. vertrauen, bitte nach meiner Rückkehr mit mir in Verbindung setzen, ich habe einige Bücher und Infos von der Uni darüber bekommen.


Am Sonntag waren David und ich einmal mehr wandern. Dieses mal haben wir die Hügelkette überquert, und sind zu den Onsen (heiße Quellen) in Arima marschiert. Diese sollen schon seit ca. 1000 Jahren (oder mehr) in Benutzung sein, und sollen auch die Lieblingsonsen des berühmten Reichseinigers Hideyoshi Toyotomi gewesen sein. Auf alle Fälle gibt es in Arima viele Hotels (darunter einige Luxusvarianten), und "einen Haufen" Onsenbetriebe.
Genauer Erläuterungen zu Onsens im nächsten Bericht, denn dieser hier wird sonst zu lang.




Am Dienstag war ich dann auf einer kleinen Weihnachtsfeier des Deutschkurses (wie ich in den Kurs gekommen bin, auch in einem der nächsten Beiträge). Jedenfalls ist der 2. Lehrer im Kurs ein Österreicher aus Bruck an der Mur (Name: Stefan Trummer), der einzige mit ich mich hier wirklich normal unterhalten kann, auf gut österreichisch eben. Deswegen haben wir mit Erlaubnis des "Haupt"lehrers die Feier ein wenig österreichisch gestaltet, um den Teilnehmern zu zeigen, wie ein Stück traditionelles Weihnachten aussieht, ohne Kommerz, Konsumterror und amerikanischen Kitsch (amerikanisch deswegen, da in Japan Weihnachten aus Amerika gekommen ist, aber wir produzieren selbst auch genug Kitsch). So haben wir ihnen Geschichten ums Weihnachtsfest erzählt, wo kommt es her, Christkind statt Santa Claus, gefeiert wird am 24. am Abend, wer ist der Nikolaus etc. Trummer-sensei hat dann einige traditionelle Lieder zum Besten gegeben (wie meine Freunde wissen habe ich eine grauenhafte Gesangsstimme) und der Höhepunkt des Abends: Wir beide haben eine kleinen Topf Glühwein gekocht. Da er die Zutaten aus Österreich besorgt hatte, ist er auch wirklich original geworden. Der Glühwein ist sehr gut angekommen, vor allem beim japanischen Professor (er war schon öfters in Graz und hat dort seine Liebe dazu entdeckt) und bei dem Mädchen mit urkainischen Wurzeln. Sie hätte den gesamten Inhalt am liebsten allein getrunken, denn natürlich hatten wir viel zu wenig. Wie alle japanischen Feiern hat auch diese pünktlich zu einer festgesetzten Zeit geendet, aber trotzdem war es vor allem für mich ein Stück echtes Weihnachten.








Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Wann immer in Japan öffentliche Feste veranstaltet werden, werden zig Menschen als Ordner, Helfer und Sicherheitskräfte (meist wird dies von privaten Firmen unter Schirmherrschaft der Polizei erledigt) eingestellt. Was zunächst ganz natürlich erscheint, wird für jemanden aus dem westlichen Kulturkreis schnell eigenartig, wenn man den Fokus auf die Helfer in der Verkehrsregelung legt: Es sind immmer mehrere Personen anwesend, um Aufgaben zu erledigen, die für den Besucher selbst ohne Hilfe selbstverständlich sind. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Von zwei Seiten kommen Besucherströme über eine Straße (die sowieso per Ampel geregelt wird) um sich zu "vereinigen" und in die selbe Richtung weiterzubewegen. Nun wird dieses Einreihen nicht den Besuchern selber überlassen, nein, Ordnungshüter halten periodisch jeweils einen Strom auf, um eine gewisse Anzahl Gäste des zweiten sich einreihen zu lassen, danach wird gewechselt. Auch wird diese Aufgabe nicht von 1-2 Ordnern erledigt, mehr wäre nicht nötig, sondern von 5, manchmal noch mehr. Kurzum, alles ist bis ins kleinste Detail geplant, nichts wird dem Zufall überlassen und, Gott behüte, es käme gar zu einem Ausbruch von Selbstinitiative. Auf den Autor persönlich hatte dies eher einen belustigenden Effekt, doch wie selbst im Sommer nach einem Feuerwek in Tokyo festgestellt, ist es doch angenehm, wenn man in den Massen den Weg zu "seiner" Station verliert, und man schnell den nächsten Helfer fragen kann (oder einen Blick auf die Schilder mit Wegbeschreibungen wirft, die diese hochhalten).
Am Ende des Beitrags ein Video dazu

In der japanischen Gesellschaft hat dies aber durchaus seinen Sinn: Die Besucher fühlen sich sicher und beschützt, und gehen zum Fest im Wissen, daß immer jemand im Hintergrund da ist, der über sie wacht. Den Ordnern selbst wird das Gefühl vermittelt, sie werden gebraucht und jeder einzelne von ihnen erfülle einen Zweck. Aus dem selben Grund sieht man oft alte Männer (über 60, 70 Jahre) als Sicherheitsleute in Einkaufspassagen oder als Art Einweiser bei Baustellen stehen. Denn obwohl sie keinen wirklichen obejektiven Zweck dienen, ist es für sie persönlich wichtig das Gefühl zu haben, noch einen Sinn in der Gesellschaft zu erfüllen, da sie für "richtige" Arbeit oft zu alt (per Gesetz) und/oder zu gebrechlich sind. In der japanischen Gesellschaft wird daher die Pension oft subjektiv als etwas Schlimmes empfunden, da man nichts mehr zu tun hat, und vor allem kaum mehr etwas zum Wohlbefinden der Gesellschaft beitragen kann (Welch Unterschied zu uns, siehe Postpensionierungen etc). Daher gibt es auch Stimmen (zum Beispiel ein Professor von mir, Alter: 60), die meinen, die Regierung sollte doch das Pensionsalter hinaufsetzen, damit die Leute länger in ihren Firmen arbeiten können. Wohlgemerkt aber, die MÖGLICHKEIT länger zu arbeiten NICHT den Zwang dazu, auch im Hinblick der, vor allem in Japan, rapiden Überalterung der Gesellschaft. Allerdings haben viele Firmen verständlicherweise einige Vorbehalte.



In unserer nächsten Ausgabe etwas mehr darüber, besonders im Hinblick, daß die meisten Scheidungen in Japan aufkommen, nachdem der Mann in Pension ist.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Lückenbüßer-Woche

Nein, diese Woche gibt es wirklich nichts Neues (oder Interessantes) zu berichten. Ich habe mich nur für den, von der Uni organisierten, Schitrip nach Nagano im Jänner angemeldet. Dort gibt's wirkliche Berge, und wer sich noch erinnern kann, fanden 1998 in Nagano die olympischen Winterspiele statt, inklusive Hermann Maiers "Flugeinlage".
Das Ganze ist zwar ein wenig teuer, aber dank meines Stipendiums vom japanischen Staat kein allzu großes Problem (was soll das heißen, dafür ist es nicht gedacht? Na wofür denn, wenn nicht zum Japan erleben).

Letztens ist mir (eigentlich erst durch einen Deutschen, der nicht japanisch kann) bewußt geworden, welch komischer Eindruck es sein muß, wenn ich mich mit den Chinesen aus meinen BWL-Kursen unterhalte.
Wie verständigen sich ein Österreicher und eine Chinesin? Nicht auf Deutsch, Chinesisch oder Englisch, sondern auf Japanisch. Soll auf einen Westler (laut meinem Kollegen) wirklich einen eigenartigen Eindruck hinterlassen, auch wenn ich nicht (mehr) ganz verstehe, warum.

Apropos: Der Großteil der Chinesen (und einige Koreaner), denen ich bisher an der Uni begegnet bin, ob im Sommer oder seit September, kann Japanisch oftmals weitaus besser als englisch sprechen. Dies ist insofern interessant, als daß weite Teile der chinesischen Bevölkerung Japan noch immer wegen seinen Taten während des 2. Weltkriegs verachten oder hassen (bzw. weil sich Japan mit der Aufarbeitung etwas schwer tut). Ein Umstand, der durch die Propaganda der kommunistischen Regierung manchmal gefördert wird (Merke: Ein äußerer gemeinsamer Gegner verdeckt innere Probleme). Dennoch ist es kein Tabu an chinesischen Schulen oder Universitäten japanisch zu lernen, oder ein Auslandssemester (oder -jahre) in Japan zu absolvieren, wobei eben auf japanisch mehr Wert als auf englisch gelegt wird (auch mögen sie sich in der Kultur ähnlicher sein, bzw. haben Chinesen nicht so große Probleme mit den verfluchten Kanji).



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Bürokratie in Japan.
Da Japan sehr viel Wert auf Genauigkeit, Details und das sogenannten "innerhalb der Box"-Denkens setzt, ist die Bürokratie und das Beamtentum dementsprechend aufgebaut. Interessanter- oder vielleicht auch erschreckenderweise ist sie der österreichischen sehr ähnlich, so daß der gelernte Österreicher weitaus weniger Probleme oder Wutanfälle hat, als seine Gegenstücke aus anderen nicht-asiatischen Ländern. (Obwohl, um der Sache gerecht zu werden, muß an dieser Stelle gesagt werden, daß unser Beamtentum und die Bürokratie sich in den letzten Jahren stark verbessert haben).
Dennoch sind die Ähnlichkeiten unverkennbar, was die bürokratische Detailverliebtheit, das hin-und-her schieben von Dokumenten zwischen Abteilungen und das Einhalten der Hierarchie betrifft. Doch genauso wie in Österreich kann man hier oft mit ein wenig gutem Zureden, ein wenig Jammern und dem allfälligen Bitten ("herns, I waß, daß des normal net geht, owa I brauch des dringend ..." etc.) Dinge die unmöglich scheinen, möglich machen bzw. den Weg stark verkürzen. Diese Art ist für einen deutschen Kollegen ungewohnt, und hat auch zu einem Wutausbruch geführt. Wir haben beide etwas merkwürdige Post bekommen, in der uns eine sichere Sache an der Uni verweigert wurde (keine Details hier), was uns beiden Probleme beschert hätte. Als Österreicher war mein Gedanke dazu: "Erst einmal im Büro nachfragen was Sache ist, mit denen reden, und schaun, ob sich nicht etwas drehen läßt". Gesagt, getan, und nach 15 Minuten Gespräch, Bitten, Erklärungen, und einigen Telephonaten seitens der Sekretärin, war das Problem gelöst und ich ging beruhigt nach Hause. Der Deutsche dagegen hat im Zentralbüro angerufen und sich furchtbar beschwert (auch sehr laut), "was das denn soll", und "wie das sein kann". Wie er mir später erklärt hat, ist es in dem Teil Deutschlands, aus dem er stammt, üblich, daß solche Briefe endgültig sind, man mit Gesprächen praktisch nichts ausrichten kann, und man sich am besten gleich bei der Hauptstelle beschwert.
Das sind wohl die Unterschiede zwischen der deutschen und österreichischen Bürokratie, wobei es Benutzer der letzteren in Japan aufgrund Ähnlichkeiten sehr viel leichter haben, da sie es einfach gewohnt sind (Was nicht heißen soll, daß es nicht manchmal, wie in der Heimat, zum Verzweifeln ist).

Einen eklatanten Unterschied gibt es dennoch: Das Fehlen des grantigen Beamten. Denn egal welches Anliegen man hat, welche Behörde im Spiel ist, oder mit wem man spricht, der Beamte gegenüber ist, wie es dem Bild eines Japaners entspricht, immer höflich und freundlich und versucht immer zu helfen, oder er versucht diesen Eindruck zu erwecken, um das Bild des Beamten in der Öffentlichkeit nicht zu schädigen (das berühmte, schon mehrfach erwähnte "Nicht-das-Gesicht-verlieren" Spiel).
Kurz gesagt: Es gibt keine Grantler.

Auch wenn es oft sehr schwer sein muß, sich so gut zu benehmen, vor allem wenn unflätige Gaijins (Ausländer) zu bedienen sind.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Mein Wochenende (Scrubs-Referenz)

Auch diesmal ein relativ kurzer Beitrag, denn es ist nicht viel Neues passiert.

Freitag:
Eine Gruppe von Leuten war am Abend in Osaka um den Geburtstag der Schwedin aus unserem Heim zu feiern. Wir verbrachten den ganzen Abend in einem Klub, wo es einige Leute wohl auch mit dem Feiern etwas übertrieben haben (v.a. der Schwede und unserer hauseigener Bulgare).
Wie dem auch sei, am meisten ins Auge gesprungen sind die Mädchen. Ich habe noch nie soviele Mädels gesehen, die ausgesehen haben wie, verzeiht den Ausdruck, "billige Nutten", aber ernsthaft, sowas sieht man bei uns am ehesten am Gehsteigrand, ich persönlich kann soetwas ja überhaupt nicht ausstehen.

Sollte jemand noch immer glaubt, daß alle japanischen Mädchen zurückhaltend und "züchtig" gekleidet sind, sollte er mal einen solchen Klub besuchen, denn die sind wirklich nur dort um Kerle "aufzureißen". Einer von den Jungs, die mit uns waren, hat dann auch den Klub mit "so einer" verlassen. Ich selbst habe versucht eher Abstand zu halten. Und bevor jetzt irgendwer mit "Bist deppert? Laßt dir eine sichere Sache entgehen?" oder ähnlichem kommt, sag ich nur: Wenn jemand sowas gern hat, bitte, sei mein Gast, aber bitte bloß nicht angeheult kommen, wenn man sich irgendwas einfängt, und sei es nur ein Schwinger von 'nem 2 Meter großem Schwarzen (es waren einige im Klub), der es auf die selbe abgesehen hat.


Didi muß ja sooo stolz sein




Samstag:
Ein üblicher Tag gefüllt mit Lernen und gewürzt mit dem Vorbereiten einer Gruppenpräsentation für Dienstag, welche übrigens gut abgelaufen ist. Auch wenn einer meiner beiden japanische Partner sehr wenig Englisch kann und deswegen ich seinen Teil mitpräsentieren mußte.
Danach war ich wieder einmal bei meiner Gastfamilie aus dem Sommer zum Abendessen eingeladen, das (wie immer) ausgezeichnet war. Ich hab ihnen dann noch ein paar Photos aus Neusiedl, dem Musikverein und dem Uhudler-Kellerviertel Fest gezeigt (ad Bernie: Du bist ganz gut in Szene gesetzt gewesen, aber über Dominiks "schlafen am Tisch" haben sie sich am meisten amüsiert).




Und weil schon viel Anfragen gab: Hier "meine" Familie




Sonntag:
Da war ich mit David aus Irland wieder wandern in der Hügelkette der Kobe-Region, diesmal zum Gipfel Maya. Wir waren allerdings etwas enttäuscht, als wir ziemlich schnell oben waren, was bei knapp 701 Meter aber nicht verwundert, wobei der Blick über die Region aber wieder toll war. Beim Abstieg haben wir dann den Wanderweg verlassen und uns durch den Wald und ein trockenes Bachbett geschlagen. Das war lustig, anstrengend, für David auch ein wenig gefährlich, da er nicht wirklich Berge und Felsen gewohnt ist, und hat uns für den langweiligen Aufstieg entschädigt. Insgesamt waren wir diesmal nur 7 Stunden unterwegs (reine Wanderzeit: 6).




Zur Abrundung des Wochenendes bin ich dann noch am Abend mit dem Briten Simon Yakiniku (wörtlich: Gebratenes/gegrilltes Fleisch) essen gegangen. Dazu bekommt man das Essen (zu 80% eben Fleisch) roh und gewürzt serviert, welches man dann selbst auf einem in der Tischplatte eingelassenen Grill, grillt. Aüßerst schmackhaft, und gar nicht so teuer in den richtigen Restaurants.







Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Sehr bekannt, und vor allem von Ausländern geschätzt, sind in Japan die sogenannten Hyaku-en (100 Yen) Shops. Denn wie der Name schon sagt beträgt der Preis der meisten Produkte nur 100 Yen (ca. 64 Cent). Teuere werden extra beschildert. Den Haupteil der Produktpalette nehmen alltägliche Haushaltswaren und Gebrauchsgegenstände ein, wobei die Qualität, entgegen der Suggestion durch den niedrigen Preis, durchaus zufriedenstellend ist. Da diese Gegenstände ideal sind, wenn man sich nur einige Monate oder ein Jahr in Japan aufhält, sagte ich vor allem bei Ausländern, die keine Top-Qualität, haltbar über mehrere Jahre, benötigen. Doch kaufen auch sehr viele Japaner selbst dort ein, und zwar nicht nur solche die gezwungenermaßen sparen müssen, denn es ist gesellschaftlich nichts lachhaftes daran im Hyaku-en Shop zu kaufen. Nicht so wie früher bei uns oft war, wo Personen die bei Hofer einkauften belächelt wurden, allerdings hat sich auch Hofer im Punkte Qualität sehr stark in den letzten 10 Jahren verbessert. Größere Shops beherbergen in ihrem Sortiment auch Lebensmittel und mittelgroße Gerätschaften, also mein Tip: Sollte man sich nur eine kurze Zeit in Japan aufhalten und dennoch Haushaltsgegenstände benötigen, bieten diese Geschäfte fast immer das beste Preis-Leistungs Verhältnis.

Mittwoch, 28. November 2007

Momiji am Tag der Arbeit

Heute wird es ein eher kurzer Eintrag sein, denn ich werde mehr
die Photos sprechen lassen, bzw. verweise ich auf mein Webalbum.
(Meine Entschuldigungen an diejenigen, die eine langsame Internet-verbindung und daher Probleme mit Photos-Anschauen haben).

Also:
Letzten Freitag war in Japan "Tag der Arbeit" und wie es der weltweiten Tradition entspricht, arbeitet an einem solchen Tag niemand (Obwohl, das ist Japan, also haben die Convenience-Stores trotzdem 24 Stunden offen).
Jedenfalls haben ein paar Leute und ich beschlossen, uns den hunderten und tausenden von Japanern anzuschließen und Momiji schaun zu gehn. So nennt man in Japan das Verfärben der Blätter, bzw. die Zeit dafür und das Betrachten derselbigen (vgl. Kirschblüten-schaun im Frühling).
Eigentlich ist es schon recht spät dafür, Momiji passiert normal im Spätherbst (traditionell geht der Herbst in Japan vom 8.8. bis 6.11.), aber wie mir einige Japaner gesagt haben, wird das von Jahr zu Jahr später, und besonders heuer, weil es insgesamt ein außergewöhnlich heißes Jahr war (das ist Klimaveränderung für Japan).

Jedenfalls haben wir beschlossen nach Kyoto zum östlichen Kiyomizu-Tempel zu fahren (ich habe ihn schon im Sommer besucht, vielleicht stelle ich irgendwann meinen Bericht darüber fertig), und uns zuvor die Zeit ein wenig in Kyoto zu vertreiben.

Zuerst der Maruyama-Park, dann ein weiterer Tempel und schließlich am späteren Nachmittag in Richtung des Zielorts. Der HauptWeg zum Tempel ist eine schmale Straße (erinnert an alte Zeiten, mit Geschäften links und rechts und ist auch nur für Fußgänger), die an diesem Tag heillos überfüllt war.
Doch am Ende war es das mehr als Wert. Die Farbenpracht war teilweise überwältigend. Deswegen bin ich jetzt ruhig, und lasse nun mehr die Photos sprechen (wobei das erste noch im Park und das zweite im anderen Tempel aufgenommen wurden).





















Im Webalbum (Link dazu rechts) sind die restlichen Photos unter "Japan: Landschaften 2" zu bewundern, es werden von diesem Tag wohl an die hundert sein.

Auch waren am Abend viel Geishas unterwegs (Kyoto ist die Wiege der Geisha-Kultur), wobei ich aber leider nur 3 Photos davon habe. Anekdote am Rande: Am Heimweg haben mich zwei Geishas gefragt, ob ich sie nicht mit ihrem Photoapparat photographieren könnte (nicht die am Photo). Jedenfalls hat hat mich ganz zögerlich mit einem "Excuse me" angesprochen, aber als ich auf Japanisch "Ja, bitte?" geantwortet habe, hat man trotz der Schminke so richtig die Freude über ihr Gesicht gehen sehen, nach dem Motto: "Der kann mich verstehen, Englisch ist unnötig!"

Es braucht so wenig, um Japanerinnen glücklich zu machen ...



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

In Japan wird Werbung für Lokale oft immer noch mittels Marktschreier mitten auf der Straße betrieben. In erster Linie werden diese verwendet um Karaoke-Lokale und Restaurants bzw. Ess-beisl (ersetzen hier mehr oder weniger unsere Wirtshäuser) zu bewerben. Es ist wirklich interessant diese Art der Werbung noch zu sehen, denn bei uns wurde sie praktisch komplett vom verteilen von Flugzettel (manchmal recht aggressiv) abgelöst.




Und hier der perfekte Snack für zwischendurch: kaufreudiger Oktopus
(Manche Leute wollen ja ständig Photos von Sachen zum Essen sehen)



Zum Abschluß eine Japaner mit Steirerhut (bin nicht zum Fragen gekommen wo er ihn herhat).

Mittwoch, 21. November 2007

Lustig und Anstrengend

Vor einer Woche war ich nicht nur auf der Spielemesse in Osaka, sondern auch am Samstag am Universitätsfestival. Sowas ist in Japan immer eine große Sache.
Es dauert 2 Tage (Samstag und Sonntag), und wird zu einem großem Teil von den Studenten bzw. den Studentenklubs selber organisiert, zu diesem Zweck werden am Freitag davor, ab Mittag, alle Kurse gestrichen.
Das Fest selbst läuft folgendermaßen ab:
Jeweils von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr abends, sind am Hauptcampus unzählige Stände offen (eben von Studenten betreut), die alle möglichen guten Sachen zum Essen und Trinken anbieten, oder verschiedene Spiele (z.B: Bogenschießen). Es ist ein Riesenfest! (war selbst überrascht von der Größe) Natürlich ist das wieder eine Gelegenheit die Fesseln der Uniformität für eine Weile abzulegen , sich verrückt anzuziehen und sich genauso aufzuführen.






Das sind Kerle:



Dazu spielen an verschiedenen Plätzen Bands, und es finden kleine Shows auf einigen Bühnen statt. Um 5 Uhr schließen dann die Stände, und auf der Hauptbühne wird 1-2 Stunden lang eine gute Show geboten (hier ein Beispiel):





Bitte zu beachten, daß keine Musik oder Instrument verwendet wurden, sondern beide Gruppen nur ihre Stimmen benutzt haben.


Danach ist der Hauptteil beendet, aber man hat noch die Gelegenheit sich an anderen Fakultäten Mini-Shows anzusehen, oder in eine der aufgebauten Bars am Campus zu gehen. (Gesetzliche Alter zum Trinken von Alkohol in Japan: 20 Jahre, und das wird an der Uni auch streng kontrolliert) Der Alkohol selbst ist teilweise gut, teilweise ein Fusel, bzw. wird auch nicht allzu stark gemischt (aber bei 60 Cent für ein Cola-Whisky oder Wodka-Lemon macht das GAR nix).
Da viele Studenten arbeiten, besteht der Großteil der Besucher am Tag aus nicht-Studenten (bzw. nicht-Universitätsangehörigen), was für die Uni ein gute Öffentlichkeitsarbeit ist.


Ich persönlich find es sehr schade, das es sowas bei uns nicht gibt.
Doch andererseits wird man wohl kaum viele unserer Studenten dafür begeistern können, freiwillig und ohne Belohnung für ein Uni-Fest zu arbeiten (zumindest nicht die Anzahl von Studenten die man braucht).
Grazer-Studenten mögen hier einwerfen, daß es ja das Usi-Fest gibt. Aber mal ehrlich: Man kann das tolle Festival hier wirklich nicht mit diesem dümmlichen Sauf-gelage zu Hause vergleichen!



Letztes Wochenende:

Ein Freund (David aus Irland) und ich haben beschlossen endlich einmal auf die höchste Erhebung der Rokko-Hügelkette zu wandern, was wir dann am Sonntag gemacht haben. Kurz gesagt: Es war wunderschön ...
Der höchste Hügel (Rokko selbst) der Hügelkette ist zwar nur 931m hoch, aber da es relativ flach aufwärts geht, ist es ein ziemlich weiter Weg von der Station (ca. 4-5 Stunden). Da wir aber leider sehr spät losgezogen sind (David hat verschlafen) und es am Gipfel schon nach 15.00 Uhr war (Sonnenuntergang 16.35 Uhr), konnten wir nicht mehr einen Wanderweg runternehmen, sondern sind auf der Straße den "Gipfeln" entlang westwärts gezogen, bis wir die Serpentinen runter in die Stadt und zur Bahnstation gekommen sind. Insgesamt sind war 9 Stunden fast ununterbrochen marschiert! (etwas übertrieben fürs erste Mal)
Genauer Ablauf des Ganzen: Um 10.30 Uhr los zur Bahnstation, 6 Stationen gefahren, und um 11.00 Uhr den Anstieg begonnen. Um ca. halb 4 am Gipfel dann westwärts, um 20.00 Uhr an der Bahnstation der Uni, dann die (jetzt nur mehr 3) Stationen zurück, und um 21.00 Uhr waren wir endlich zu Hause. Insgesamt waren es wohl zwischen 40-50km (genau weiß ich's nicht wegen der stark verschlungenen Straße die letzten 2 Stunden)
Es war echt anstrengend, aber allemal wert.
Wenn's die Zeit erlaubt, werde ich öfter auf die (kleinen) Berge wandern, und Fuji-san (bei uns fälschlicherweise Fujijama) erwartet mich auch noch.

Diesmal einiges mehr an Photos als gewöhnlich


Ein König macht sich Gedanken über sein Reich ...


Mmm, Abendessen!








Endlich am Gipfel


Weiter gen Westen



Mehr Bilder und Videos dazu, wie immer im Album




Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Es sollten inzwischen alle wissen, daß die Japaner sehr viel von Sport (körperlicher Ertüchtigung) und Gemeinschaft halten, und dennoch können einen die Verkörperungen manchmal ein wenig Angst einjagen.
Wenn zum Beispiel am Gehsteig vor dem Studentenheim die Schulmädchen beim Sport vorbeilaufen, fragt man sich manchmal, ob da die Schülerinnen trainieren oder die lokale Militäreinheit. Nicht nur, daß sie oftmals schön in Gruppen (sogar in Formation) laufen, nein, wie beim Heer ruft die erste in der Gruppe eine Art "Kampfschrei" oder singt etwas vor, welches die anderen im Chor nachmachen.
Leider steht zur Zeit kein Photo oder Video davon zur Verfügung, aber sollte ich eines in die Hände bekommen, werde ich es auf den Blog stellen.


Zum Thema Kontinuierlichkeit: Es wird in Zukunft jeden Mittwoch einen neuen Eintrag geben, mit fallweise extra Ausgaben am Wochenende.

Mittwoch, 14. November 2007

Osaka Game Festa

Dieser Eintrag ist praktisch nur was für Spieler (Gamer),
der Rest von euch ist entschuldigt.


Nicht das ich euch vom Lesen abhalten will, aber es dürfte alle anderen langweilen, bzw. haben sie eher wenig Ahnung worum es geht.
Die Nicht-Spieler können direkt zur Kolumne Fakten gehen, oder sich vielleicht noch die Cosplayer-Photos (Leute sie sich verkleiden wie Anime-oder Spiele-Charaktere) davor anschaun.


Also:
Am Sonntag war ich mit ein paar anderen Leuten auf der Osaka Game Festa, eine Spielemesse. Sie ist bei weitem nicht so groß wie die Tokyo Game Show (TGS), die alte E3 oder PAX, aber es war dennoch absolut spitze und wir hatten viieell Spaß. Es gibt leider nur wenige Photos, wir waren zuviel mit Spielen beschäftigt.








Eine kleine Auswahl der vorgestellten Spiele:

Guitar Hero III:
Ich habe nie die anderen Teile gespielt, aber trotz des simplen Prinzip macht es irrsinnigen Spaß an der Gitarre herumzufummeln.

WII Fit:
Neue Erweiterung fürs(n?) Wii, eine Plattform zum Draufstellen und mit den Füßen und Körperbewegungen zu spielen. Schifahren und Schispringen war damit absolut genial.
Sie bleiben aber auch dem Konzept der Familienkonsole treu, da es natürlich auch Software zum Fitnesstraining und Körperdehnen gibt, der WII spart das Aerobic-training.

Mario & Sonic Olympic Games (dürfen sogar offizielles Logo von Beijing 2008 verwenden):
Geniale Idee. All die bekannten und geliebten Charaktere von Sega (Sonic, Tails, Robotnik und Co.) und Nintendo (Mario, Luigi, Bowser u.a.) messen sich in olympischen Disziplen, von 100m Lauf über Weitspringen bis zum Hammerwerfen. Das Ding mit Freunden spielen macht fast mehr Spaß als Wii Sports.


Und natürlich PS3 mit Disgaea 3:
Ausgesehen hats wie die vorherigen Teile (graphisch etc.) mit ähnlichen Elementen, aber wie wir alles wissen ging es bei Disgaea nie um Graphik oder die besonders epische Story, es ist eben wie immer, aber genau das macht es so gut. Und auch der Hauptcharakter Mao hat's in sich.






Oooohh, Prinny, Prinny, PrinnyPrinnyPrinnyPrinny, Dood, Prinny, Dood, Dood, KABOOM






Wie auf jeder Spielemesse und Convention: Cosplayer
(Obwohl das in Amerika viel mehr Leute machen als in Japan)


VIVI!
und Eiko




Card Captor Sakura (aber wie!)




Spidy war auch zu Gast






Keine Ahnung was das war (weiß es jemand?), aber es war lustig wie es durch die Gegend gefahren ist (v.a. die Kinder waren begeistert).






Die Gang von Kingdom Hearts II war auch da, hab aber leider kein schönes Photo


Und natürlich: FINAL FANTASY VII: Advent Children




Eines der Mädchen (aus Seattle), das zusammen mit uns dort war, macht auch Cosplaying, allerdings hat sie ihr Yuffie Kostüm zu Hause gelassen, tja Pech.


Mehr Photos dazu gibt's auf meinem Album unter Verschiedenes.
Sollte es jemand schaffen alle Charaktere auf den Photos zu benennen und mir ein Mail mit dem Ergbnis an manuel.leitgeb@gmail.com zu schicken, bring ich ihm eine Belohnung aus Japan mit (was, wird nicht verraten).





Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Da Japaner nie Knöpfe oder Reisverschlüsse erfunden haben, haben sie immer nur, zum Beispiel für Kleidung, Bänder benutzt die mit der Zeit zu recht komplizierten Verschnürungen geführt haben (jeder, der einmal traditionelle Kleidung näher betrachtet hat, kennt das). Das selbe galt für Verpackungen, welche neben Verschnürungen auch (eigentlich öfter) mittels kompliziertem Falten des äußeren Materials (Tuch, Stoff oder Papier) gehandhabt wurden.
Der Punkt auf den ich damit hinauswill, ist, das diese Tradition auch heute noch in den einfachsten Verpackungen erkennbar ist. Das Verpacken von Einkäufen ist ein wichtiger Vorgang, selbst wenn das Produkt eigentlich schon verpackt ist. Als Beispiel: Wenn man ein größeres Elektrogerät kauft, ist es bereits fix fertig in der Karton-Verpackung, aber dennoch wird es vom Verkäufer genommen, zwei Plastikbänder werden mittels einer Maschine herumgewickelt, und daran ein kleiner Plastikgriff zum leichteren Transport befestigt. Wenn man im Supermarkt, oder wo auch immer, etwas einkauft (also kleinere Dinge) bekommt man IMMER automatisch ein Plastiksackerl dazu, und wenn nicht schon andere Leute warten, wird der Einkauf auch vom Verkäufer eingepackt.

Die andere Seite gilt für Geschenke: Sind sie in Geschenkpapier eingewickelt, wird dieses nicht, wie bei uns, einfach heruntergerissen, sondern fürsorglich entfernt, um damit die Wertschätzung für das Geschenk auszudrücken. Obwohl meistens Geschenke nicht sofort ausgewickelt werden, sondern erst einmal auf die Seite gelegt werden. Einerseits da man bei Geburtstagen etc., wo meherer Geschenke nacheinander gegeben werden, sich nicht die angemessene Zeit zum Auspacken nehmen kann, andererseits verhindert man dadurch, daß weder der Schenker noch der Beschenkte, ihre Gesichter verlieren, sollte das Präsent nicht ankommen.


Und zum Schluß: Ich habe das perfekte Knabberzeug (den kleinen Snack für zwischendurch) gefunden:

Geselchte Tintenfischscheiben
(Okay, perfekt wäre dasselbe als Oktopus, aber Tintenfisch ist auch toll)

Dienstag, 6. November 2007

Im Osten was Neues

Ja, ja, schon fast 2 Wochen nix geschrieben, ich weiß.
Nur so zur Erinnerung: Ich bin hier zum Studieren und nicht auf Urlaub, und genau das hab ich derweil getan. Also gebt schon bitte Ruhe.


Damit sind wir aber auch gleich beim Thema: Unisystem in Japan.
Japan folgt ziemlich stark dem Englisch-sprachigen System von Bachelor, Master und Doktorkursen. Das sind die, die vor einigen Jahren auch bei uns eingeführt wurden, als Bakkalaureus und Master. Das bedeutet hier 4 Jahre Bachelorkurse, und wenn man dann den höheren 2. Abschluß machen will, noch 2 Jahre Masterkurse. Danach gibt es noch die Möglichkeit mehrere Jahre zu forschen und seine Dissertation zu schreiben, um den Doktor-Grad (PhD) zu erlangen, eigentlich genau wie bei uns. Da der Bach. (Bakk.) nicht nur ein Studienabschluß (-grad) ist, sondern in der Bevölkerung auch so gehandhabt wird, beendet der Großteil der Studenten ihr Studium damit. Und nicht wie bei uns, wo sich die alteingesessenen Magister (und Magisterstudien) über einen Bakkalaureus lustig machen und ihn nicht als vollwertig betrachten.
(Das böse Erwachen wird für sie noch kommen)

Somit wird man im Bachelorkurs als "undergraduate Student" (nicht-graduierter Student) und im Masterkurs als "Graduate Student" (graduierter Student, also Student mit bereits akademischen Grad) bezeichnet. Nochmal zur Klarstellung: Der Master ist eine Weiterführung des Bachelors und einfach ein höherer Grad (vergleiche: Magister <> Doktor).
Und bevor jetzt wieder das Geraunze anfängt, das sei alles langweilig weil ja bekannt, sei gesagt, daß ich auch viele Freunde habe, die nicht studieren.

Wozu das Ganze an dieser Stelle aber wirklich? Ich habe hier an der Uni so etwas wie einen Sonderstatus. Einerseits bin ich Austauschstudent, und auch als solcher an der Cross-Cultural Fakultät (国際文化学部) gemeldet, andererseits besuche ich natürlich auch Master-Kurse an der BWL-Fakultät für mein Studium in Graz. Somit werde ich dort auch als "Graduate Student" angesehen.
Das Schöne daran: Als Graduate genießt man (selbst als Ausländer) einiges an Ansehen und sogar gewisse Prvilegien. Nur als Beispiel: In den Uni-Bibliotheken darf man weitaus mehr Bücher gleichzeitig ausleihen, und sie zudem doppelt, bis stellenweise dreimal länger behalten. Auch die Professoren behandeln einen ganz anders, nämlich (da es ja auch dem Titel entspricht) als Akademiker. Besonders die Undergraduate students haben Respekt vor den Graduates (liegt natürlich auch wieder an der Natur der japanischen Gesellschaft). Vor allem aber, da man eine Art "erwachsener" Student ist, ein Status, den die meisten eben nie haben werden, da sie nach den ersten 4 Jahren aufhören. Auch später in der Firma, steigen Leute mit Master-Titel oft schneller auf.

Ja, in Japan ist es toll Graduate Student zu sein, diese Privilegien und
Anerkennungen für sie sollten wir bei uns auch einführen.



Jetzt zu etwas komplett anderem.

Da ich in der letzten Woche meine Registrierungskarte bekommen habe, bin ich nunmehr offiziell ein legaler, registrierter Außerirdischer. Und ja, die nennen das wirklich so: Ich besitze die "Alien Registration Card" und in amtlichen Schriftstücken steht immmer sowas wie "as a registered Alien you can ...". Schön zu wissen, als was einen die Japaner wirklich betrachten.
Wie heißt's so schön? "I'm an Alien, I'm a legal Alien. I'm an Austrianman in Kôbe" (Sting: Englishman in NY)


Zwei Photos der Karte (die bunten Hologramme kriegt man leider net auf die Kamera)







Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Die meisten Leser haben eine ungefähre Ahnung, wie japanische Hauptstraßen aussehen, dank entsprechender Dokumentationen und Bilder von Japan im Fernsehen. Allerdings werden viele vom Aussehen der Seitenstraßen überrascht sein (mit Ausnahme derjenigen, die öfters Anime schauen oder Mangas lesen). Denn wie auf den folgenden Bildern zu erkennen ist, sind die Seitenstraßen "vollgestopft" mit Strommasten und den entsprechenden stromführenden Leitungen. Beinahe jedes Gebäude wird mit einer eigenen Leitung vom Mast versorgt (nicht mittels Gebäude-zu-Gebäude Führung) und der Großteil des Netzes verläuft oberirdisch. Ich weiß leider nicht warum es auf diese Weise gehandhabt wird, und hatte leider bisher noch nicht die Zeit jemanden danach zu fragen, allerdings werde ich dies noch tun und die Antwort dann nachtragen.
Meine Vermutung ist folgende: Bei einem Erdbeben ist die Gefahr eines Leitungs"bruchs" unter der Erde wohl größer, als bei freihängenden Leitungen die mittels Eigenschwingung Erschütterungen besser ausgleichen können. Sollte es zu einer Leitungsunterbrechung kommen, ist, solange der Mast stehenbleibt, nur ein Gebäude davon betroffen und ohne Strom, und nicht sofort ein ganzer Straßenzug.





Sollte jemand genau wissen, was es damit auf sich hat (Helmut?), oder eine bessere Idee haben, bitte ich um Mitteilung ich werde es dementsprechend ausbessern.
Schließlich will ich verhindern, daß in der "Fakten/Meinungen über Japan" Kolumne, Falschmeldungen oder vollkommener Schwachsinn steht.
(Ich bin nicht Schreiber für gewisse "Qualitätszeitungen" oder eines gewissen öffentlich-rechtlichen Senders).


So, dieser etwas längere Eintrag sollte euch mal wieder für einige Zeit zufrieden stellen. Zum Schluß noch etwas, daß ich im lokalen Department Store gesehen (und gekauft) habe.