Sonntag, 17. April 2016

Kurzurlaub - Eine Woche Japan

Da ich nicht wieder 5 Jahre auf meinen nächsten Besuch in Japan warten wollte, hatte ich spontan beschlossen stattdessen schon nach 5 Monaten dem Land wieder einen Besuch abzustatten. Rechtzeitig zur Kirschblüte im April 2013.
Mag für manche irre klingen, aber was ist schon normal, außerdem war ich dieses Mal nicht allein.
Also, auf ein Neues vom 6.-14.April.

Ich bitte um Verzeihung um die ausschweifende Erzählung, aber das will ich nicht unerwähnt lassen: Irgendwie stand die Reise unter keinen guten Stern. Beim Verlassen meiner Wohnung wurde ich auf dem Zebrastreifen (ich hatte Grün) von einem Radfahrer "abgeschossen" (in Wien mit Radfahrern nichts Neues). Nichts Schlimmes passiert aber Hose kaputt; zurück in Wohnung andere Hose anziehen; dadurch aber Gepäckaufgabe versäumt; dadurch Anschlußflug nach Frankfurt versäumt; zweiter Flug 1 Stunde später möglich (sogar noch einen der letzten Plätze bekommen) aber verdammt knapp.
Während ich im zweiten Anschlußflug zitterte, zitterte meine Begleitung schon im Flugzeug vom Hauptflug, ob ich es rechtzeitig schaffen würde, da ich alle Buchungen gemacht habe und z.B. nur ich wußte welche Hotels wir haben etc.
Dank eines wunderbaren Service der Lufthansa (private Abholung) war ich dann doch 10 Minuten vor Abflug im Flugzeug, und sogar der Koffer dabei.
Damit hat es aber erst angefangen.

Beim Anflug auf Tôkyô waren schon längere Zeit schwere Unwetter im Gange (Sturmregen, starke Winde etc.), sodaß unser Flugzeug nicht nur harte Turbulenzen hatte, sondern auch mehrere Landeversuche machen mußte. Beim letzten sah man durch die Außenkameras, daß wir recht schief reinkamen. Natürlich waren dann auch die Züge nach Tôkyô gestrichen, weil die Strecke komplett überflutet war (der Flughafen ist übrigens ca. 1 Stunde mit dem Zug von Tôkyô entfernt). Zum Glück gibt es eine weitere Zugstrecke weiter nördlich aber da die nicht von JR gebaut und betrieben wird, war sie für uns nicht gratis und wir mußten einiges extra zahlen. Und am Samstag war dann noch ..., aber dazu später.

Dafür hat uns das Wetter in Tokyo entschädigt: Während in Österreich März und April bis dahin recht kalt und unwirtlich war, hatten wir in Japan Sonne und über 20 Grad (ein Faktum, das mir als Facebookpost einige "negative Reaktionen" einbrachte :D ).


Die Woche war relativ unspektakulär, 3 Tage Tôkyô, 3 Tage Kôbe mit Ausflügen nach Kyôto und Arima (Onsen-Besuch!) und die letzte Nacht wieder in Tôkyô (die wir praktisch durchgemacht haben, japanische Freunde und Karaoke sei Dank).

Erwähnenswert ist vielleicht, daß wir endlich einen Heurigen in Kôbe gefunden haben.
Das Photo ist leider sehr schlecht, da von meinem alten Handy (und von drinnen hab ich keines).



Kirschblüte in Arima (etwas abgeblüht, wegen Regen)



Am Samstag wollten wir am Vormittag pünktlich nach Tôkyô fahren um, wie erwähnt, die letzte Nacht dort zu verbringen, allerdings traf, um die Woche abzurunden und passend zu ihrem Beginn, um ca. 5:30 Uhr ein Erdbeben der Stärke 6,3 Kôbe. Es hat uns aufgeweckt, aber da 6,3 Gott sei Dank nicht so stark ist, bin ich, da ich weder Evakuierungsalarm noch Sirenen gehört habe, einfach wieder eingeschlafen. Na was, war nicht mein erstes Erdbeben in Japan, man gewöhnt sich daran. Wirklich!
Für meine Begleitung war es jedoch das erste und da war nicht mehr an Schlaf zu denken.
Wie gesagt, 6,3 ist nicht so stark für japanische Verhältnisse, daher gab es nur ca. 20 Verletzte (niemand schwer) sowie etwas Sachschaden und am Vormittag hat man auf den Straßen auch keine besonderen Anzeichen gesehen. Es hat bei den Leuten nur eine böse Erinnerung wachgerufen, da vor ca. 20 Jahren das Große Hanshin-Erdbeben um fast genau die gleiche Uhrzeit Kôbe getroffen hat.

Wie dem auch sei, das einzige Problem für uns war, daß der Shinkansen Verspätung hatte, mit dementsprechenden Rückstau von Passagieren an den Bahnhöfen, da die Züge bei größeren Erdbeben automatisch auf der Strecke stehenbleiben und die Schienen auf Brüche kontrolliert werden.
Das Faszinierende: Obwohl wir mit mit fast zwei Stunden Verspätung weggekommen sind hatten wir in Tôkyô schon wieder gut aufgeholt, nur eine halbe Stunde Verspätung, da hat der Shinkansen mal richtig Gas gegeben.

Die Heimreise verlief dann ohne Probleme, obwohl ich persönlich nach dieser Woche mit einer Notlandung in Sibirien gerechnet habe.
Bis zum nächsten Mal!
(Spoiler: 1 1/2 Jahre später)



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

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Autor nicht auffindbar

Donnerstag, 30. Juli 2015

Die Insel der 9 Regionen - Kyûshû

Die letzte Etappe auf meiner Reunionstour war, wie erwähnt, die Hauptinsel im Westen: Kyûshû (九州). Der Name steht für die ursprünglichen neun Provinzen der Insel. Im Zuge der Modernisierung Japans wurde die Anzahl auf sieben verkleinert und die Inseln Tsushima und Ike, im Nordwesten von Kyûshû, verloren ihre Eigenständigkeit und wurden eingegliedert.
Übernachtet habe ich in Fukuoka, mit ca. 1,5 Mio. Einwohner die größte Stadt der Insel, wobei man übrigens nicht mit dem Zug nach Fukuoka fahren kann, es gibt nur die Station Hakata. Die moderne Stadt Fukuoka entstand durch die Zusammenlegung der Städte Fukuoka und Hakata, wobei Hakata den Hafen und Geschäftsbezirk innehatte (sowie eher die kulturellen Einrichtungen) und Fukuoka die Wohnstätte der Oberschicht v.a. der Samurai war. Soweit ich verstanden habe wurde bei der Versammlung zur Namensfestlegung eigentlich Hakata bestimmt, aber eine Gruppe (ehemaliger) Samurai soll sie gestört und die Versammelten gezwungen haben Fukuoka zu wählen.
So blieb Hakata als Name für den Bezirk auf Boden der ehemaligen Stadt (auch heute noch das Geschäftsviertel), den örtlichen Dialekt und interessanterweise (ich habe nicht herausgefunden warum) für den Bahnhof. Insbesondere für Ausländer, aber nicht nur für diese, kann das zu Verwirrung führen, wenn man nach Fukuoka will und der Shinkansen hat nur die Haltestelle Hakata. Es ist in Österreich vergleichbar mit dem Bahnhof Bruck an der Leitha, der eigentlich in Bruckneudorf liegt.
Fukuoka ist (selbst für japanische Verhältnisse) eine sehr schöne und grüne Stadt, wobei sie weniger durch historische oder kulturelle Stätten besticht (abgesehen von den Festivals) sondern v.a. auch durch ihre Internationalität. Kyûshû war immer schon erste Anlaufstelle für Reisende aus dem Süden und Westen, in erster Linie China und Korea, und damit ist Fukuoka heute DER Transit-Hub für Ostasien. Auch das Essen ist hervorragend, besonders bekannt dabei ist die lokale Spezialität Hakata-Ramen, eine Variante von Tonkotsu-Ramen, die in Japan als eine der besten regionalen Ramen-Versionen gilt.


Wie jeder weiß, der schon einmal mit mir über Japan gesprochen oder diesen Blog gelesen hat, bin ich ein absoluter Onsen-Fan, fast schon ein Fanatiker. Daher bin ich natürlich auch in die Stadt Beppu (Präfektur Oita) gefahren, die in einer großen Bucht an der Ostküste der Insel liegt. Sie ist wohl der berühmteste Onsen-Ort von ganz Kyûshû und lockt zahlreiche Touristen an, da sie die Kombination aus Onsen und Meer bietet und recht leicht erreichbar ist. Bei knapp über 100.000 Einwohnern hat Beppu über 10 Mio. Touristen jedes Jahr (übrigens stammt ein Freund von mir, Mitsuru Mihara, auch aus Beppu).
Beppu ist speziell aufgrund der schieren Anzahl von Onsen, da sich in dieser Region faktisch auf einen Fleck acht Thermalquellen finden und die ganze dadurch Stadt eigentlich eine riesige Thermalquelle ist. Das merkt man schon beim Aussteigen am Bahnhof, da man sofort den unverwechselbaren Duft von Schwefel bemerkt (Hinweis: faule Eier), wobei anscheinend besonders im Winter die ganze Stadt praktisch dampft. Neben den normalen Onsen gibt es auch noch die "8 Höllen", Quellen benannt nach ihrem Aussehen und der buddhistischen Höllenvorstellung. In diesen acht kann man aufgrund ihrer Wasserzusammensetzung nicht baden, aber sie haben teils eine sehr schöne Färbung (persönlich finde ich, zahlt es sich aber nur wirklich aus die Meereshölle mit ihrem blauen und die Bluthölle mit ihrem rostroten Wasser anzuschauen. Vielleicht auch noch die Mönchskopfhölle mit blubberndem Schlamm). In einer Quelle kommt das Wasser mit 98° Celsius aus der Erde, so daß es eine beliebte Touristenattraktion ist, sich ein Ei direkt in der Quelle zu kochen (es gibt auch andere, in der Quelle gekochte, Snacks zu kaufen).

Zwei Photos von der "Wasser-Hölle":






Ich habe mit dem Shinkansen auch einen Abstecher nach Kagoshima gemacht, dem absoluten westlichen Endpunkt des Zugs und dem südwestlichsten Punkt der Hauptinseln. Da Kyûshû als Ursprung von Shôchû gilt (=leicht destillierte japanische Alkoholika) und besonders Kagoshima für seinen (Süß-) Kartoffel-Shôshû bekannt ist, mußte ich diesen selbstverständlich probieren.
Ich glaube, ich bleibe doch lieber bei Sake.

Ich wollte auch den größten aktiven Vulkan Japans, den Aso, der sich ziemlich genau in der Mitte von Kyûshû befindet, besuchen (inklusive der genialen Onsen), aber leider wußte ich nicht, daß man das Busticket mind. 1 Woche im Voraus buchen muß. Daher ist es mit dem Trip zum Vulkan nichts geworden (für dieses Mal!).
Stattdessen bin ich zum Abschluß mit dem Bus zu einem anderen Onsenressort irgendwo im Nirgendwo gefahren, um noch ein bißchen die Natur zu genießen. Und wie so oft am Land in Japan sieht man in den Gesichtern der Bewohner die Frage: Ein Ausländer? Hier?

So sieht übrigens ein Bambuswald aus der Ferne aus:




Nach dem Besuch auf Kyûshû bin ich für die letzte Nacht zurück nach Tôkyô, wo ich in der Wohnung eines Freundes und seines Freundes übernachtet habe. Selbstverständlich haben wir uns einen gemütlichen Abend gemacht und sind früh schlafen gegangen, schließlich mußte ich in der Früh schon zum Flughafen, und außerdem, was soll man am einem Samstagabend in Tôkyô sonst schon machen?
Jedenfalls bin ich dann am nächsten Tag, Sonntag, wieder zurück nach Österreich geflogen, und es war wunderbar die Zeit praktisch um 5 Jahre zurückgedreht zu haben, auch wenn 15 Tage viel zu wenig war.

Allerdings wird der Blog an dieser Stelle nicht wieder geschlossen, es war nämlich nicht mein letzter Trip nach Japan in den letzten Jahren, he he, es gibt noch mehr. Denn der Daimyo der Provinzen des Mittleren Westens hat beschlossen sich wieder mehr und direkter um seine Lehen zu kümmern!



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Kyûshû (九州). Westlichste (und südlichste) der vier Hauptinseln und seit jeher Japans Tor zu Welt.
Denn Kyûshû gilt als eine der Einwanderungsrouten des modernen japanischen Menschen, der Norden Japans wurde erst spät in das japanische Reich eingegliedert und im Osten lag nur der endlose pazifische Ozean. Von Kyûshû aus wurde der Kontakt zum großen Reich der Mitte, dem Kaiserreich China, und dem Reich Korea gehalten, hier wurden die beiden Invasionsversuche der Mongolen abgewehrt, hier kam es zum ersten Kontakt mit den Europäern (Portugiesen), hier wurde der Handel mit dem Westen betrieben und hier waren die einzigen Handelspunkte in den 250 Jahren der japanischen Abschottung (für Europa mittels den Niederländern auf der künstlichen Insel Dejima in der Bucht von Nagasaki). Wobei ich Handel mit den Ainu nicht dazuzähle. Und hier fand mit Nagasaki auch der zweite Einsatz der Atombombe (in diesem Fall: Plutonium-Kernspaltungsbombe, "Fat Man") statt.
Wobei eigentlich Kokura (heute: Kitakyûshû) das Primärziel war (und Sekundärziel für Hiroshima), das aber wegen schlechter Sicht nicht anvisiert werden konnte. Trotz der größeren Sprengkraft der Nagasaki-Bombe richtete sie weit weniger Schaden als ihr Gegenstück in Hiroshima an, da sie über einer Talsenke zündete und die Hügel den Rest der Stadt relativ gut schützten.

Noch ein interessantes Detail zum Erstkontakt von Japan mit Europäern: Dieser fand auf der Insel Tanegashima statt, wo Japaner auch zum ersten Mal moderne Arkebusen und Musketen sahen, weswegen für Jahrhunderte Feuerwaffen dieser Art als Tanegashima-Gewehre bezeichnet wurden.

Auf Kyûshû residierte auch einer der mächtigsten Clans der japanischen Geschichte, der Shimazu Clan, besser bekannt unter den Namen seines größten und wichtigsten Lehen: Satsuma (im SW der Insel mit der Hauptstadt Kagoshima). Obwohl in der entscheidenden Schlacht um die Vorherrschaft Japans bei Sekigahara (sozusagen zwischen West und Ost) auf der Verliererseite blieb er sehr mächtig. Das lag vor allem anderen daran, daß er mit seinen Lehen auf Kyûshû am weitesten entfernt vom Machtzentrum der Tokugawas, Edo, stationiert war. Zudem war es schwer für das Shogunat, einen derart einflußreichen und weit entfernten Clan zu entmachten, insbesondere da die Satsuma/ Shimazu viele der Politiken des Shogunats konsequent umsetzen. Auch eroberten sie, mit Erlaubnis des neuen Shogunats, Anfang des 17. Jahrhunderts das Ryûkyû Königreich mit der Hauptinsel Okinawa und machten es zu einem Vasallenstaat (allerdings nicht offiziell sondern eher "versteckt", da das Kaiserreich China ebenfalls Machtanspruch erhob und nicht verstimmt werden durfte).
Dennoch blieb der Clan "im Herzen" immer ein Gegner des Shogunats und war auch 250 Jahre später einer der Hauptakteure und wichtigsten Kriegsteilnehmer beim Sturz des Shogunats und Wiederherstellung der kaiserlichen Macht.
Und doch rebellierten die Satsuma gegen die neue Regierung im Jahre 1877, da sie mit vielen Entscheidungen, insbesondere Modernisierungen im gesellschaftlichen und sozialem Bereich, nicht einverstanden waren. Eigentlich kam es zu mehreren Samurai-Aufständen im ganzen Land, da diese ihren privilegierten Status und ihr traditionelles Einkommen verloren, aber die sogenannte Satsuma Rebellion (oder besser: Die Rebellion/ der Bürgerkrieg im Südwesten) war der letzte und schwerste Aufstand dieser Art. Die Ereignisse bildeten auch den historischen Hintergrund für den Film "The Last Samurai" mit Tom Cruise.
Jedenfalls wurde mit der Niederschlagung der Satsuma Rebellion (die auch die Regierung viel kostete), auch Kyûshû endgültig unter die Zentralgewalt gestellt und sie kennzeichnet das tatsächliche Ende der Kaste der Samurai. Der Clan selbst hat die Rebellion überstanden und wurde dennoch in hohen Ehren und offiziellen Positionen gehalten, aber es bestand kein Zweifel mehr an der absoluten Entscheidungsgewalt des zentralen Kabinetts.

Dienstag, 23. Juni 2015

Der Westen ruft.

Nach 4 Nächten in Tôkyô bin ich dann Richtung Kôbe aufgebrochen, das ja eigentlich mein Regierungssitz als Daimyô der Provinzen des mittleren Westens ist.
Übrigens haben meine loyalen Untertanen zur Feier meiner Rückkehr mein Konterfei (in Mangaversion) für die Werbung für ein historisches Drama (über den Taira Clan) verwendet. Es ist natürlich angepaßt, ich trage ja Brille und hab nicht so lange Haare, aber sonst sehr gut getroffen.




Auch in und um Kôbe habe ich mich vor allem mit alten Freunde getroffen, unter anderem habe ich natürlich auch der Kôbe Universität einen Besuch abgestattet und bin am Abend mit einigen Professoren/ Angestellten unterwegs gewesen.
Nicht nur, daß sie mich in Erinnerung behalten haben (ob in guter oder schlechter lassen wir mal dahingestellt), anscheinend ist auch ein Photo von einem meiner Uni-Kurse mit mir in prominenter Position für eine Plakatserie für Werbe-Veranstaltungen zum Austauschstudium an der Kôbe Uni in versch. asiatischen Ländern verwendet worden. Was es nicht alles gibt.

Eine Freundin (Yuki, inzwischen verheiratet mit Kind, typisch japanisch) hat mich eingeladen mit ihr den berühmten Enryaku-ji (延暦寺) auf dem Berg Hiei in der Nähe von Kyôto zu besuchen. Der Enryaku Tempel ist der Haupt- und Gründungstempel der Tendai Konfession des Buddhismus, die im Mittelalter besonders bei den Oberschichten verbreitet war. Tendai war daher über mehrere Jahrhunderte eine sehr einflußreiche Organisation, die im 16. Jahrhundert um den Enryaku-ji und in der Region einige tausend Sub-Tempel besaß und eine richtige Armee von Kriegermönchen ("Sôhei" 僧兵) besaß.
Sie waren Gegner von Oda Nobunaga, weswegen er, nach Sieg über die mit Tendai verbündeten Clans, 1571 gegen den Enryaku Tempel-Komplex mit einer, für die damalige Zeit, massiven Armee von 30.000 Soldaten marschierte. Im Zuge der Belagerung des Hiei brannte er praktisch alle Tempel und den gesamten Komplex nieder und tötete sämtliche feindliche Kriegermönche (sowie, zur damaligen Zeit leider auch sehr üblich, viele Zivilisten).
Damit war die Macht der Tendai gebrochen und erst unter Odas Nachfolgern Toyotomi und Tokugawa durfte sie den Enryaku-ji wieder aufbauen.

Der heutige Tempel-Komplex am Berg ist auf drei Gebiete aufgeteilt: Die "Östliche Pagode" mit der eigentlichen Haupthalle des Tempels, die "Westliche Pagode" und "Yokokawa".

Plan des Areals



Die Yokokawa Haupthalle



Die Konpon Halle, das eigentliche Hauptgebäude des Tempels




Als meine Begleiterin mal aufs WC mußte habe ich übrigens etwas festgestellt: Wenn man als ausländischer Mann ein (japanisches) Baby auf dem Arm hat, ist man sofort das Zentrum der Aufmerksamkeit und aller Blicke sämtlicher weiblicher Personen im Umfeld. Macht irgendwie Angst.

Während ich in Kôbe war, wurde ich über eine alte Freundin auch zu einer Party in einem Studentenheim der Austauschstudenten eingeladen (nicht mein ehemaliges) und es war sehr schön, die Zeit praktisch 5 Jahre zurückzudrehen mit allem Drum und Dran. Nur der Folgetag war nicht mehr so leicht zu ertragen wie früher.

Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, da die Jahreszeit die richtige war, den Kyomizu Tempel zur Laubverfärbung zu besuchen (Momiji-Zeit) und zwar auf den Tag genau 5 Jahre nach meinem erstem Momiji Besuch dort.


5 Jahre später


(Inzwischen, also jetzt 2015, wurde das Hauptgebäude aber renoviert)



Nach 5 Nächten (und einem Besuch von Schloß Himeji) machte ich mich auf zur letzten Etappe auf meiner "Wiedersehens-Tour":
Dem Westen Honshus (Chûgoku Region) und der Insel Kyûshû. Beides Regionen, die ich noch nie zuvor besucht hatte.

Übernachtet habe ich in Fukuoka im Norden Kyûshûs um von dort die Insel zu erkunden, aber zuerst noch zu meinem Besuch in Hiroshima.

Hiroshima ist mit etwas über 1 Million Einwohner die größte Stadt und das Zentrum der Chûgoku Region. Sie ist traditionell eine wichtige Industriestadt und hat trotz des 2. Weltkriegs diesen Status nicht verloren. Am bekanntesten ist sie natürlich für den ersten militärischen Einsatz der Atombombe unter dem Namen "Little Boy" (genauer gesagt: Eine Uran-Kernspaltungsbombe). Was viele aber nicht wissen, ist daß etwas mehr als 1 Monat nach Abwurf der Bombe auch noch ein heftiger Taifun über die Stadt fegte und einen Großteil der Infrastruktur, die noch stand, zerstörte.

Unter anderem habe ich mir natürlich den berühmten Atombombendom angeschaut, so benannt weil er das nächstgelegene Gebäude zum Explosionspunkt war, das nicht komplett vernichtet wurde und weil er durch seine charakteristische Kuppel ein auffälliges Gebäude ist. Er wurde als Erinnerung an den Abwurf der Bombe erhalten und als "Friedensdenkmal von Hiroshima" zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Interessanter Nebenpunkt: Das Gebäude, ursprünglich "Produktausstellungshalle der Präfektur Hiroshima" genant, wurde von einem österreichischen (genauer gesagt, böhmischen) Architekten konstruiert.




Weiters war ich auch im Park des ehemaligen Schlosses von Hiroshima, das durch seine Konstruktion natürlich komplett ausradiert wurde, wobei der "Burgfried", also der Hauptturm, inzwischen rekonstruiert worden ist.
Interessanter sind aber verschiedene Bäume im Park die gelbe Plaketten tragen, wie dieser hier:




Diese gelben Plaketten bedeuten, daß der jeweilige Baum hier schon am Tag der Bombe stand und obwohl nur mehrere hundert Meter vom Hypocenter (Explosionspunkt der Bombe in der Luft) entfernt, haben sie dies überstanden und wachsen noch immer.



Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan:

Es wird unsere geneigte Leserschaft freuen zu hören, daß wir es tatsächlich geschafft haben, den Autor unserer beliebten Kolumne nach so vielen Jahren aufzustöbern und ihn überreden konnten, noch einige Male für uns zu schreiben.


Die Region Chûgoku ("Mittleres Land" 中国) ist die westlichste Region der Hauptinsel Honshu, wobei nicht mehr genau nachvollziehbar ist woher der Name stammt. Da zudem seit dem frühen 20. Jhdt. der selbe Name (mit den selben Kanji) für China verwendet wird, greift man teilweise auf die alten Namen der Region zurück, auch wenn diese vom Gebiet her nicht mehr ganz mit der modernen Region überein stimmen. So wird Chûgoku auch die San'in-San'yô Region genannt, San'in (山陰 "Nord- bzw. Schattenseite des Berges") im Norden und San'yô (山陽 "Süd- bzw. Lichtseite des Berges) im Süden. Dies ist insofern passend, da die japanischen Berge tatsächlich ziemlich genau in der Mitte die Region teilen. In früheren Zeiten gab es nur wenige Möglichkeiten, die Berge zu queren, sodaß es oft einfacher war (v.a. im Winter), bis an die Westspitze von Honshu zu reisen und von dort der längs nach die jeweilige "Seite" der Region zu besuchen. Teil der japanischen Berge in Chûgoku ist auch der Hiba, in der Mythologie die Ruhestätte der Göttin Izanami, die die japanischen Inseln geboren haben soll. Weiters befindet sich im Norden der Region der Izumo- Schrein, einer der ältesten und wichtigsten Shinto-Schreine Japans. Anzumerken ist, daß die Region dünn besiedelt ist (mit Ausnahme der Stadt Hiroshima mit über 1 Million Einwohner), und bei 15% der Fläche (so groß wie Kantô) nur 7% der Einwohner von Honshu beherbergt (nur die Region Tohoku ist noch dünner besiedelt).

Die Bucht von Hiroshima war schon lange Zeit ein wichtiges Gebiet der Region, wurde aber das wichtigste Zentrum von Chûgoku als in der Sengoku-Zeit (16. Jhdt.) der mächtige Mori-Clan (berühmt v.a. für seine Flotte) seinen Hauptsitz dorthin verlegte, eine Burg baute und die Stadt Hiroshima gründete. Bereits in der Edo-Zeit war die Stadt ein Zentrum von Gewerbe und Industrie, aber insbesondere durch die Industrialisierung in der Meiji-Zeit wurde Hiroshima zu einer der wichtigsten Städte der Schwerindustrie von ganz Japan. Im ersten Sino-Japanischen Krieg (1894/95) wurde die Stadt zum Hauptquartier des Kommandos und sogar der Kaiser und die Regierung verlegten zeitweilig ihren Sitz nach Hiroshima. Durch den Krieg und die Lage der Stadt wurde sie dann auch zu einem der wichtigsten Militärstützpunkte und -produzenten des Landes, ein weiteres Mal verstärkt im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05. Auch war während des 1. Weltkriegs auf einer Insel in der Hiroshima-Bucht ein größeres Kriegsgefangenenlager für Soldaten der Mittelmächte eingerichtet.
Auch heute noch ist Hiroshima, trotz des Atombombenabwurfs, ein großes und wichtiges Industriezentrum des Landes, so wurde unter anderem der Autohersteller Mazda hier gegründet und hat auch noch immer sein Hauptquartier und wichtige Stätten in der Stadt.

Samstag, 6. Juni 2015

Back in Action

Wie gesagt, vom 18. November bis 2. Dezember war ich nach fast 5 Jahren wieder in Japan. Der Plan war recht einfach: 4 Nächte in Tokyo, 5 Nächte in Kobe, 4 Nächte in Fukuoka auf Kyushu (Neuland sozusagen, da ich dort noch nicht war) und die letzte Nacht wieder in Tokyo. Es sollte ein gemütlicher, entspannter Urlaub mit dem Wiedersehen alter Freunde werden. Ja, genau.

Übernachtet habe ich in Tokyo im Viertel Asakusa, das mit dem ältesten buddh. Tempel Tokyos und dem Asakusa Schrein als ein relativ ruhiges Viertel mit einem großen Anteil traditioneller Gebäude gilt. Historisch war es seit der Edo-Zeit das wichtigste Vergnügungsviertel (v.a. mit Theater), hat angeblich das älteste Geisha-Viertel Tokyos/Edos, und es blieb wohl das Nummer 1 Unterhaltungszentrum bis zum 2. Weltkrieg. Noch heute finden in Asakusa, aufgrund der religiösen Institutionen, viele Feste und Umzüge statt.
In Asakusa steht übrigens auch ein Hauptquartier der Asahi Brauereien mit der "Asahi Bier Halle" (falls jemand Bier mag und mal in Tokyo ist).

Schon am ersten Abend traf ich mich mit meinem britischen Freund aus dem Sommerprogramm, David, der etwas nach Ende meines Aufenthalts nach Japan zurückkehrte, fertig studierte, ein Job annahm und geheiratet hat (ich glaube in dieser Reihenfolge). Interessant: Wenn man sich gut versteht, ist man sofort wieder auf einer Wellenlänge, selbst wenn man sich Jahre nicht gesehen hat. Auch David hat das angemerkt und war überrascht, daß er das Gefühl hat als wäre nur knapp 2 Wochen vergangen und nicht 5 1/2 Jahre.

Der Tempel (Sensô-Ji - 浅草寺)



Das Haupteingangstor zum Tempel mit riesiger Laterne




Die Zeit in Tokyo selbst habe ich mit wenig Neuem verbracht, sondern v.a. mit Treffen alter Freunde, und dem Besuch verschiedener Viertel um zu sehen, was sich geändert hat (teils sehr viel, teils nichts).

Ich denke ich habe schon über das "gefürchtete" 109 Gebäude in Shibuya geschrieben, hier nun endlich ein Photo (an die Damen: Merkt euch das, es ist wie der heilige Gral des "Shoppings" in Shibuya).




Zum Vergleich: Die Shibuya Hauptstraße mit Zeitunterschied 5 1/2 Jahre (da hat sich äußerlich nicht viel getan)






Die Rückkehr (Batmans Rückkehr?)

Tja, eigentlich wurde der Blog ja von mir geschlossen, aber eine Freundin (Lindi, Sommer-Programm wer sich erinnern kann) hat mich überzeugt über meine Rückkehr nach Japan nach 5 Jahren zu schreiben.
Also werde ich den Blog nach 4 Jahren wieder öffnen und einen oder mehrere Einträge hinterlassen, obwohl die Rückkehr auch schon wieder 2 1/2 Jahre her ist ... uupsi.

Also, im September 2012 habe ich spontan beschlossen für November Urlaub zu nehmen und nach Japan zu fliegen, weil es einfach wieder an der Zeit war. Zuerst hätten es drei Wochen sein sollen, aber da ich nicht soviele Urlaubstage nehmen konnte, wurde der "Einsatz" in Japan auf 15 Tage reduziert. Ursprünglich sollten mich einige Freunde begleiten, mit denen ich schon einige solcher "Einsätze" im Ausland erlebt habe, aber leider mußten sie absagen, weil Urlaubstage nicht möglich waren, also bin ich am Ende wieder allein nach Japan aufgebrochen.

Und so beginnt es!


Sonntag, 18.11.2012, 0800 Im Luftraum über Tokyo ...

Mittwoch, 31. August 2011

Auch die schönste Zeit ...




All Good Things ...

Tja, mit dem Abschluß des Berichts über das Sommerprogramm das letzte Mal ist es nach 4 Jahren nun soweit: Ich schließe meinen Blog.
Er wird zwar natürlich online bleiben, aber es werden keine weiteren Berichte eingestellt, da ich jetzt wirklich alle Themen über meine Zeit in Japan und Slowenien behandelt habe. Eine Ausnahme wäre vielleicht eine kurze Abhandlung über japanische Toiletten, jedoch glaube ich nicht, daß meine Leser davon hören wollen, man kann mich ja persönlich fragen.

Vielleicht wird es hier doch noch etwas Neues geben, sollte ich es irgendwann einmal wieder länger nach Japan schaffen, wer weiß.

Ich hoffe es hat den paar Leuten, die meine Einträge verfolgt haben, gefallen und konnte ihr Interesse wecken, beziehungsweise etwas Neues über andere Länder zeigen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Leser und vor allem an jene, die einen Kommentar hinterlassen haben.



Der Autor der Kolumne "Interessante (und lustige) Fakten/Meinungen über Japan" möchte sich hiermit ebenfalls von seiner getreuen Leserschaft verabschieden und ihnen allen, aus dem Exil heraus, das Beste wünschen.


Das war's
und der Letzte macht das Licht aus ... ...

Dienstag, 30. August 2011

Sommer Programm Teil 5

Nach unserer Rückkehr verbrachten wir noch einen Tag bzw. Nacht in Kobe. Wir zogen tagsüber ganz gemütlich ein bißchen durch die Stadt (es war immerhin Sonntag) und schauten uns noch einmal ein bißchen in den Straßen um und trafen uns am Abend mit einigen Freunden und deren Bekannten.
Diese hatten ein wenig pyrotechnisches Zeugs eingekauft und so veranstalteten wir an einem der vielen Kanäle, die die Stadt durchziehen, unser eigenes Mini-Sommerfeuerwerk mit alkoholischen Getränken und lustigen Gesprächen.
Am Ende gingen wir dann sogar die nicht kurze Strecke nach Hause um ein letztes Mal das Hiersein zu genießen (wobei es ja für mich nicht so schlimm war, da ich schon nach wenigen Wochen zurückkommen würde) und im Hotel schrieben wir noch, ganz nach japanischem Brauch, einige Dankeskarten an unsere Professoren.
Am nächsten Tag machten wir uns auf zum (Kansai) Flughafen, wobei aber noch Yasumi (unsere Supporterin und wie ich AIESECer, wer sich erinnert) vorbeikam, um uns zum Busbahnhof zu bringen und zu verabschieden.

Noch einmal gut zu sehen, wie direkt in Japan Stadt und Wald ineinander übergehen





Meine Stadt von oben (gut zu sehen: Der Kobe Flughafen)




Somit endete also unser (erstes) Abenteuer in Japan, zum Abschluß noch das offizielle Gruppen- beziehungsweise Teilnehmerphoto des Sommerprogramms 2007:





13. August 2007
08:32 Uhr, Ortszeit
Das Unternehmen ist beendet ... ...

Donnerstag, 25. August 2011

Sommer Programm Teil 4

Und so traten wir mit meiner großen Liebe, dem Shinkansen, unsere Reise nach Tokyo an, bzw. eigentlich zuerst nach Yokohama, denn da wir nämlich keine wirklich preisgünstige und halbwegs vernünftige Übernachtungsmöglichkeit in Tokyo-Stadt finden konnten, mieteten wir uns in einer internationalen Jugendherberge in Yokohama ein. Da wiederum Yokohama aber auch schon Teil der Metropolregion ist, waren wir doch schon in Tokyo. Den ersten Tag sahen wir uns eben ein bißchen diese Stadt an, und gingen am Abend kurz in einen kleinen Vergnügungspark, wer sich übrigens erinnert, Yokohama war Austragungsort des Finales der Fußball-WM 2002 (Deutschland gegen Brasilien).

Der Yokohama Landmark Tower, das höchste Gebäude Japans (abgesehen von Strukturen wie dem Tokyo Tower)




Am nächsten Tag ging es dann ins Herz der japanischen Hauptstadt und größten Metropole der Welt.
Zuerst besuchten wir den Zojo Tempel, den Stammtempel der Tokugawa Shogune (einige sind auch dort begraben), obwohl er heute nur mehr eine kleine Fläche im Vergleich zu früher besitzt (die Jizo Statuen habe ich übrigens nicht photographiert, wer wissen will warum, googelt). Danach ging es zum Tokyo-Tower, der billigen, häßlichen Kopie des Eiffelturms (ein Freund vermutet, daß ihn Japaner genausowenig mögen, da er in fast allen Katastrophen- und Monsterfilmen als erstes dran glauben muß). Dann wandten wir uns dem größten Einkaufsbezirk der Welt, mit riesigen Kaufhäusern und einer Unzahl von Geschäften zu: Shibuya.
Zur Erklärung: Shibuya ist der offizielle Name eines der 23 Stadtbezirke von Tokyo und gleichzeitig wird auch jenes riesige Geschäftsviertel in diesem Bezirk so bezeichnet, wobei meistens wenn von Shibuya gesprochen wird, der Geschäftsteil (mit den angrenzenden Ausgehvierteln) gemeint ist (vergleich hierzu die Verwendung von "Tokyo"). So beherbergt dieser Teil unter anderem das berühmte (für Männer berüchtigte) Shibuya 109 Gebäude, ein Hochhaus mit riesigen Stockwerken voller Damenmode, die Hauptquartiere mehrerer großer Musiklabels und vieles mehr.
Darunter fällt auch die fast allseits bekannte große Straßenkreuzung, mit den beiden diagonalen Zebrastreifen (solche Kreuzungen werden als "Alle-Gehen-Kreuzung" bezeichnet), bei deren Grünphase regelrechte Menschenmassen, hunderte Leute und mehr, gleichzeitig die Straße überqueren. Wenn man in der Rotphase in der ersten Reihe steht, wirkt es wie zwei Armeen, die darauf warten, aufeinander loszustürmen.
Notiz am Rande: Eines der Lieblingscomputerspiele des Autors ist "The World Ends with You" unter anderem, da es im Shibuya Geschäftsteil spielt, alle bekannten Orte dargestellt sind, und es daher immer Erinnerungen weckt.
Der Bezirk Shibuya ist aber auch ein wichtiger Geschäfts- und Vergnügungsbezirk und bietet darüberhinaus noch mehr, also nicht nur den Einkaufsteil, aber dazu später.

Zojo-Schrein und Tokyo Tower: Edo-Zeit und Moderne



Shibuya



"Die" Kreuzung



Stürmt!




Am nächsten Tag trafen wir uns mit einem Freund aus Graz, der schon länger in Tokyo studiert (Leser des Blogs kennen ihn als den Daimyo der östlichen Provinzen, Helmut) um zum Meiji-Schrein zu gehen. Auf dem Weg trafen wir ein paar Punks, die bei der Fußgängerbrücke abhingen, solche würde ich mir für zu Hause auch wünschen, es sind richtige Edelpunks, was die anhaben, kann ich mir zum Teil nicht leisten.
Der Meiji-Schrein ist, wie der Name schon sagt, Kaiser Meiji gewidmet, über dessen Wirken bereits genug in diesem Blog geschrieben wurde. Mehrere Punkte sind am Meiji-Schrein interessant: Beim Bau wirkten sehr viele Freiwillige aus der Bevölkerung mit, er steht inmitten eines riesigen Park/ Garten (ich nenne es ein kleines Waldgebiet, es sind immerhin an die 700.000 m², also 70 ha), und das Ganze ist beheimatet im Bezirk Shibuya. Ich sagte ja der Bezirk habe mehr zu bieten! Die Bauten sind übrigens nicht die ursprünglichen, diese wurden bei den Luftangriffen auf Tokyo im 2. Weltkrieg zerstört, es sind die nach dem Krieg wiederaufgebauten, wobei wieder (angeblich über 100.000) Freiwillige halfen. Es ist auch recht nützlich, daß der Meiji-Wald fließend in den Yoyogi-Park, einem der größten öffentlichen Parks von Tokyo, übergeht und das Erholungsgebiet dadurch wirklich weiträumig wird.

Was in Japan so unter "Punks" läuft



Tor zum inneren Schrein



Das innere Heiligtum, wo die Überreste ihrer Majestäten Kaiser Meiji und seiner Frau aufbewahrt werden



Der Meiji-Schrein Wald und Yoyogi Park (das Photo ist von Wikipedia, da sie von weiter oben besser zu sehen sind)




Von Shibuya ging es dann weiter in das Herz der Geschäftswelt von Tokyo, den Bezirk Shinjuku.
Ein Bezirk der Superlativen. Es ist das bedeutendste Geschäfts- und Verwaltungszentrum von Japan mit den meisten Wolkenkratzern, es hat den betriebsamsten Bahnhof der Welt (nach Stand dieses Jahres, 2007), wo laut einem Freund über 3 Millionen Passagiere jeden Tag abgefertigt werden, hier befindet sich auch das größte Vergnügungsviertel von ganz Japan und da hier japanische Geschäftsleute am Werk sind, ist es auch ganz logisch, daß Shinjuku einen riesigen Rotlichtbezirk besitzt. Angeblich ist in Shinjuku auch der größte Einkaufsdistrikt von Tokyo (damit wohl auch des Landes), dennoch ist Shibuya irgendwie bekannter dafür.
Für Computerspielfreaks: Wir haben auch das Hauptquartier von Square-Enix besucht! Es ist zwar in Shibuya und nicht in Shinjuku, aber da Shinjuku im Süden an Shibuya angrenzt, "schwappt" das Geschäftviertel dorthin über. Es war zwar Samstag Nachmittag, und damit kein Schwein da, aber dennoch sind wir irgendwie reingekommen.
Von dort drehten wir wieder Richtung Shinjuku Zentrum, zum Gebäude der Präfekturverwaltung der Präfektur Tokyo (auch wenn es offiziell anders heißt), einem, mit seinen zwei Türmen, sehr bekannten Gebäude, wobei einer davon öffentlich zugänglich ist und das oberste Stockwerk als Aussichtsplattform fungiert. Es ist dahingehend zum Teil sogar beliebter als der Tokyo-Tower, da es nicht sehr viel kleiner ist (und alle umliegenden Bauten noch immer bei weitem überragt), und das Betreten gratis ist. Von hier oben kann man erst so richtig sehen, was "Metropole" bedeutet.
Egal in welche Himmelsrichtung man blickt, man sieht bis zum Horizont nur Stadt, welch ein Moloch.

Wer's nicht glauben wollte, wir waren dort



Die Präfekturverwaltung



Toyko






Da es zwischenzeitlich Abend geworden war, machten wir uns auf in Richtung Osten, um beim großen Sommerfeuerwerk von Tokyo dabei zu sein. Was für ein Erlebnis! Ich war ja schon etwas gewohnt vom Feuerwerk in Kobe aber kein Vergleich hierzu, und erst die Menschenmassen, die dabei waren. Dagegen ist selbst Silvester am Stephansplatz nur ein Abklatsch.

Ein Beispielphoto



Auf dem Rückweg vom Feuerwerk




Am nächsten Tag ging es dann nach Hause nach Kobe, um einen letzten Tag dort zu verbringen, bevor wir zurück nach Österreich fliegen.

Donnerstag, 18. August 2011

Sommer Programm Teil 3

Die nächsten paar Tage waren eher gewöhnlich, der "Homestay" bei den Gastfamilien endete, wir arbeiteten weiter an unseren Gruppenprojekten, und das Wochenende (4./5. August) war offiziell frei. "Offiziell" deswegen, da wir zwar keinen Unterricht hatten, aber das Vorbereiten unserer Abschlußpräsentation nicht schleifen lassen konnten, da wir neben der Umfrage noch die Aufgabe haben, als Gruppe ein japanisches Lied vorzutragen, weswegen wir viel Zeit in Karaokebars verbrachten. Das hört sich zwar lustig an, jedoch gehört das Stück, das unsere Lehrerin ausgewählt hat, dem Genre "Enka" an, und zwar der moderneren Nachkriegsvariante. Um's kurz zu machen: Man stelle sich 70er Jahre Schlagermusik vor (aus der Dekade stammt auch das Lied), und ich meine wirklich Schlager, also volkstümliche Musik nicht Volksmusik. Dementsprechend die Gefühlslage nach der 20sten Wiederholung, aber wenigstens haben wir "nach der Arbeit" Karaoke mit besseren Stücken gemacht.

Once more with feeling!




Zwischendurch organisierten unsere Japanischen Supporter (Studenten) auch eine kleine geplante Party im Veranstaltungsraum unseres Hotels, in welches wir wieder gezogen sind.

Am Samstagabend fuhren wir auf eine der künstlichen Inseln in der Bucht um uns von dort die Kobeausgabe der traditionell im Sommer, überall in Japan, stattfinden Feuerwerke anzusehen. Die Feuerwerke finden nämlich nicht zu Silvester sondern Anfang August statt, und sind auch um einiges größer als bei uns, so dauern sie normalerweise bis zu bzw über eine Stunde mit einer kurzen Pause dazwischen. Zudem sind sie wie ein Fest an sich gestaltet, das bedeutet, das die Zuseher schon bis zu Stunden vor Beginn kommen um sich gute Plätze zu sichern, überall Essens- und Süßigkeitenstände aufgebaut sind, und man aufgrund der Feststimmung auf viele der bereits erwähnten Sommerkimonos -Yukata-, insbesondere an Jugendlichen und Kindern, trifft.
Ich weiß nicht ob (bzw. seit wann) westliche Digitalkameras diese Funktion haben, aber bei japanischen gibt es schon seit langem die Funktion, sie automatisch speziell zum Photographieren von Feuerwerken einzurichten.

Die ersten warten schon




Am Dienstag kam dann der Tag der großen Abschlußpräsentationen, also von unserer Gruppe das Thema Karaoke, mit der Umfrage, dem Interview und dem Vorsingen. Bezüglich Interview habe ich etwas Wichtiges nachzutragen, das ich das erste Mal tatsächlich vergessen habe: Gleich zu Beginn (nämlich am 27. Juli) besuchten wir in Osaka den Erfinder des Karaoke: Inoue Daisuke. Es gibt, glaube ich, ein paar Debatten ob er wirklich das Konzept entwickelt hat, aber gesichert ist, daß er die erste Karaoke Maschine baute und vermietete. Allerdings ist er damit nicht reich geworden, da er sich seine Erfindung nicht patentieren ließ und andere im Nachbau bessere Maschinen produzierten. Heutzutage führt er eine kleine Firma und erfindet bzw. bastelt er mit seinen Angestellten immer noch an Produkten rum. Laut eigenen Aussagen verdient er damit genug, um ein gutes Leben mit relativ wenig Streß führen zu können und ist zufrieden. Im Sinne unseres Projektes mußten wir ihn mit selbst erdachten Fragen interviewen.
Aber zurück zu den Abschlußpräsentationen: Wir brachten also unsere Umfrageergebnisse, das Interview (wobei sich zur Erheiterung des Publikums einer aus der Gruppe mittels falschem Schnurrbart und großem Namensschild als Daisuke Inoue vorstellte) und gaben unsere Sangeskünste zum Besten.
Jedoch die weitaus beste Vorstellung brachte (nicht verwunderlich) die Fortgeschrittenen Gruppe: Sie führten eine selbst geschriebene lustige kleine Theaterszene auf, welche zu lauten Lachern bei den Zuschauern führte. Die Zuschauer waren übrigens, neben den Lehrern und den anderen Programmteilnehmern auch die eingeladenen Gastfamilien.
Im Anschluß gab es eine "Tee-Party" genannte Feier mit kaltem Buffet, die als erste ungezwunge Abschiedsveranstaltung für die Teilnehmer und v.a. für die Gastfamilien gehandhabt wurde.

Die Theatergruppe vor ihrem Auftritt (es gibt auch Videos, aber wenn man nicht Japanisch kann, ist es etwas witzlos)



Ein weiteres Gelage




8. August, Der letzte Tag.

Am letzten Tag absolvierten wir zuerst am Vormittag die Abschlußsprachprüfung und unterzogen uns danach dem Feedback bzw. durften wir selbst das Programm evaluieren. Danach begann die große Abschlußfeier, mit langen Reden und großen Ansprachen, welche einige Teilnehmer an den Rande der Verzweiflung brachten, jedoch von den gelernten Briten und Österreichern mit stoischer Ruhe ertragen wurde (wir sind das ja zur Genüge gewohnt). Verschärfend kam hinzu, daß in der Mitte des Raums, vor allen Leuten, das große Buffet für die anschließende Abschiedsparty aufgebaut war.
Die Party ging bis zum Abend, wobei es auch dabei einen geplanten Teil gab: Die drei größten Gruppen: Japaner, Chinesen, Koreaner und einige Einzelpersonen mußten/durften ein Lied in ihrer Sprache vortragen. Die Party selbst war ein einziges großes Fressen, Trinken und geprägt von rührenden Verabschiedungen, da viele am nächsten Tag schon sehr früh abreisen mußten.
Dies war das offizielle Ende des Sommerprogramms in Japanischer Sprache und Kultur der Kobe Universität.

Die Geduld geht langsam zu Neige



Die Chinesen



Der Beweis: Ich war dabei




Der 9. August war der Abreisetag, an dem es noch ein, zwei (teils tränenreiche) Verabschiedungen gab, aber während die anderen Richtung Heimat zogen, brachen Lindi und ich auf zu den, anfangs erwähnten, vier Tagen in Yokohama und der, alles überschattenden, Metropole TOKYO.


Zum Abschluß: In diesem Video hört man sehr gut den endlosen Gesang der (tausenden) Zikaden

Donnerstag, 11. August 2011

Sommer Programm Teil 2

Am 1. August waren wir fast den ganzen Tag in Kobe unterwegs, da ein wichtiger Teil unseres Projektes die Befragung von Passanten zu ihrer Meinung über Karaoke ist. Außerdem ist es eine direkt klassische Lehrmethode um Schüler zum Sprechen einer Sprache mit fremden Einheimischen zu bringen und ihnen somit auch die Angst davor zu nehmen (was in den meisten Fällen auch funktioniert).

Da wurde uns auch derartiges gewahr




Am 2. August kam dann unser Kulturausflug nach Kyoto. Als erste Station auf unserem Ausflug besichtigten wir den Kinkaku-ji, den "Tempel des goldenen Pavillon" (金閣寺). Eigentlich heißt der Tempel, der auch über eine prächtige mittelalterliche Gartenanlage verfügt, Rokuon, aber durch die Bekanntheit des Pavillons, wird er eigentlich fast nur mehr Kinkaku genannt.
Der Pavillon wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts errichtet, steht am Rande eines großen Teiches, und seine oberen Stockwerke, welche in verschiedenen Baustilen gehalten sind. sind komplett mit Blattgold überzogen und das Ganze wird gekrönt von einem Phönix.
Bekannt ist er auch dafür, daß er Jahrhunderte unbeschadet überstanden hat, aber 1950 von einem geistig verwirrten Novizen-Mönch angezündet und damit niedergebrannt wurde (er meinte er hätte die Schönheit des Pavillons nicht ertragen) Der Brand wurde literarisch in einem Buch des sehr bekannten Schriftstellers und Traditionalisten Yukio Mishima verarbeitet.
Notiz am Rande: Der Schriftsteller ist jener, der international Berühmtheit mit der Aktion gelandet hat, 1970 mit einer Gruppe Gleichgesinnten den Armeeoberkommandanten als Geisel zu nehmen, die Rückkehr zu den alten Werten zu fordern und schließlich Seppuku, den rituellen Selbstmord beging (der aber fürchterlich schiefging, war daher wohl extrem schmerzhaft).

Plan der Anlage



Der Pavillon





Und unser Prager Freund, der es dem Mönch nachzumachen probiert :)




Nach dem Tempel ging es weiter zur Residenz des Shoguns in Kyoto (des Tokugawa-Shogunats um genau zu sein). An sich regierten die Tokugawas ja von Edo (dem heutigen Tokyo) aus, aber natürlichen unterhielten sie einen Sitz in der kaiserlichen Residenzstadt welche ja auch offiziell weiterhin Haupstadt Japans war (da ja auch der Kaiser weiterhin formell Oberhaupt des Staates war). Man kann es als eine Art Sommerresidenz betrachten, da der Shogun bzw. seine wichtigsten Beamten während des Jahres hierher kamen um wichtige Gäste zu empfangen, mit dem Abgesandten des Shoguns an den Kaiserhof zu sprechen und allgemein "nach dem Rechten zu schauen". Daher ist die Anlage auch als eine richtige (wehrhafte) Burg/Schloß angelegt mit Wassergräben, hohen Mauern etc., da sie aber in der Stadt steht, sollte man sie sich weniger als eine traditionelle Burg (höher gelegen, große Wehrtürme) als vielmehr als abgeschlossenes Areal à la Verbotene Stadt vorstellen (nur in Miniausgabe im Vergleich). Es gibt einen größeren äußeren Palast, in dem die täglichen Geschäfte, Empfänge etc durchgeführt wurden und der durch seine (typisch japanische) Vielzahl verschachtelter Räume, alle versehen mit herausragenden Wandmalereien, deren Motive mit der Verwendung des Raumes korrespondieren, gekennzeichnet ist, und einen inneren Palast, als Rückzugs- und Ruheort, extra abgetrennt durch einen Wassergraben und eine Mauer. Der Innere Palast hat das typische Schicksal von japanischen Schlössern (größtenteils Holzkonstruktion) durchgemacht: Blitzschlag, abgebrannt, wieder aufgebaut, Stadtbrand, abgebrannt, wieder aufgebaut. Wobei das heutige Konstrukt teilweise aus Räumen aus einem anderen Palast besteht, welche der Kaiser (nach seiner übernahme der Anlage) zum Aufbau heranschaffen ließ (soweit ich das richtig verstanden habe).
Eine Spezialität des Äußeren Palastes sind die sogenannten Nachtigall-korridore/-gänge. Der Holzboden der (Verbindungs-) Gänge sieht an sich ganz normal aus, aber in Wirklichkeit sind die Bretter mittels einer raffinierten Konstruktion so beschaffen, daß sie bei jedem Schritt ein Quietschen von sich geben, welches Vögeln (von Nachtigallen, daher der Name) ähneln soll. Dies wurde zum Schutz vor Überraschungsangriffen und Anschlägen gebaut, da sich niemand einschleichen kann, man hört immer wenn jemand kommt, bzw. sich durch den Palast bewegt.

Die Anlage im Plan



Das große Zugangstor zum Äußeren Palast (nach dem Mauertor)



Der Äußere Palast



Der Innere Palast



Leider habe ich keine Photos der Wandmalereien, da in den Räumen photographieren verboten ist, da es den Farben sehr schaden kann.


Danach hatten wir Mittagspause mit freier Zeiteinteilung, welche wir in einem größeren Einkaufszentrum verbrachten. David und ich wollten uns wie üblich ein kleines Lokal in einer der Seitengassen suchen, aber leider hatten wir dafür nicht genug Zeit. Was wir unter anderem stattdessen besucht haben, war "Mr. Donut". Mister Donut ist, wie der Name schon sagt, eine Doughnut-Kette mit einer riesigen Auswahl absolut süßer Doughnuts, Shakes und anderen Mehlspeisen, USA Kenner können die "Dunkin' Donuts" Kette als Vergleich heranziehen (die in den 90ern Mr. Donut in Amerika übernommen hat). Heutzutage ist, laut David, Japan der Hauptmarkt, was einen insofern überraschen kann, wenn man bedenkt, daß japanischen Süßigkeiten bzw. Zucker im Allgemeinen bei weitem nicht so süß, bzw. soviele Kalorien haben wie westliche, und die Japaner meinen, mit solchen Sachen nicht ganz so gut wie wir zurechtzukommen. Mit importierten Rezepten scheinen sie aber weniger Probleme zu haben. Was soll's, da zum Glück auch in Kobe mehrere Mr. Donut in der Umgebung sind, kann ich mich auch dort diesen hingeben!
Obwohl ich auch ganz besonders gerne in Bäckereien gehe, da sie dort auch sehr tolle Sachen verkaufen, zum Beispiel Krapfen mit gewürztem Faschierten (Hackfleisch für meine bundesdeutschen Freunde) gefüllt. Genial! Warum ist bei uns noch keiner auf diese Idee gekommen?!

Danach ging es weiter zum Kiyomizu-Tempel (jener den ich auch im Herbst zur Blätterschau, Momiji, besucht habe), der auf einem kleinen Hügel über Kyoto thront. Der buddhistische Tempel geht zurück bis ins ausgehende 8.Jahrhundert, wobei die meisten heutigen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert stammen. Die Haupthalle und die weite Terrasse davor ruhen auf einer 13 Meter hohen beeindruckend anzusehenden hölzernen Balkenkonstruktion an einem steilen Hang. Es gibt die japanische Redewendung "Die Terrasse des Kiyomizu hinunterspringen", was soviel bedeutet wie bei uns "den Sprung (ins kalte Wasser) wagen" bzw Augen zu und durch. Angeblich geht die Redewendung auf einen "Brauch" der Edo-Zeit zurück, daß Leute die von der Terrasse springen und es überleben ihren Wunsch erfüllt bekommen, wobei das Überleben dadurch gesichert werden sollte, daß die vielen Bäumen unter der Terrasse den Fall abfedern.
Für die Leute die gern weiterführende Infos im Netz suchen: Ich weiß, daß praktisch überall (inklusive Wikipedia) steht, daß laut Aufzeichnungen genau 234 Personen gesprungen sind, nebst genauer Überlebensrate, aber ich schreibe nur wie ich es erzählt/erklärt bekommen habe, und von diesen genauen Zahlen weiß ich nichts, vor allem nicht ob sie stimmen. Ich würd' das Nachprüfen vor Ort nicht empfehlen.
Bekannt ist auch der Miniwasserfall aus drei verschiedenen Strömen Wasser, da diesem Wasser Heil- und Wunscherfüllungskräfte nachgesagt werden, obwohl es sich hierbei um reinen Volksglauben handelt, da meines wissens nach nicht einmal der Tempel diese Meinung vertritt.
Auf dem Tempelareal gibt es auch, in typisch japanischer pragmatischer Religiösität, mehrere Shintoschreine, in deren Nähe man Souvenirs wie Amulette kaufen kann oder auch, sehr beliebt, kleine Holztafeln und -schachteln, auf die man Gebete, Wünsche, Sinnsprüche oder anderes schreibt bzw. kleine Gegenstände rein gibt, die auf Gehängen neben den Schreinen angebracht werden, auf das sich die Wünsche erfüllen mögen (wer sich an den Film "Wasabi" mit Jean Reno erinnert: Er holt einer dieser aufgehängten Schachteln aus dem Kiyomizutempel, die er mit seiner früheren Freundin dort angebracht hatte).
Es werden auch andere Dinge verkauft, aber unter den Schreinen ist, vor allem bei der Jugend, besonders der Liebesschrein mit den Liebessteinen beliebt. Das sind zwei kleine Felsbrocken, die in ca. 20 Meter Entferung in einer geraden Linie aufgestellt wurden, und wenn man es schafft, mit geschlossenen Augen von einem zum anderen zu kommen, dann findet man die wahre Liebe. Es kann einem dabei von einem Freund mittels Zurufen geholfen werden, allerdings bedeutet das, daß man beim Finden der wahren Liebe auch einen Unterstützer braucht der einen zusammenbringt.

Die Straße zum Tempel



Der Tempeleingang



Aufgehängte Täfelchen (es sind viel mehr auf der ganzen Anlage verteilt)





Die Haupthalle mit Terrasse



Ein Teil der Balkenkonstruktion



Wer wagt den Sprung?



Blick über Kyoto



Zum Vergleich: Bilder aus dem Sommer und Herbst (das erste von der Hauphalle siehe oben)












Danach ging's zurück nach Hause, nach Kobe. Es war ein langer und anstrengender Tag, und beinahe alle haben daher im Bus eine Zeitlang geschlafen, aber der Ausflug war es wirklich mehr als wert, obwohl einige (inklusive mir) gern mehr Zeit gehabt hätten um uns alles noch genauer anzuschauen (v.a. der Besuch der Residenz des Shoguns war knapp bemessen).